Sorghum - Ackermann

«Das richtig machen, was wir machen»

Der Landwirtschaftsbetrieb von Familie Ackermann im Kanton Solothurn ist einer der besonderen Art. Zwei Pioniere wirken dort. Der Jüngere bereichert das Angebot von Biofarm mit Schweizer Sorghum, und auf der Weide wartet eine Überraschung im Doppelpack. 

Erstankömmlinge reiben sich die Augen: Vor dem Schlatthof in Wolfwil (SO) geniessen mitten auf der Wiese zwei Kamele die Sonnenstrahlen. Die exotisch anmutenden Vierbeiner und das Thema unseres Besuches – die ursprünglich aus Afrika stammende Ackerkultur Sorghum – passen perfekt zusammen. Bei der Begrüssung bemerkt Betriebsleiter Mathias Ackermann schmunzelnd: «Wir sind kein Nullachtfünfzehn-Betrieb, aber wir wollen das richtig machen, was wir machen.» Im Januar 2020 hatten er und seine Frau Exkarly den Hof von den Eltern Regina und Erwin Ackermann übernommen. Diese unterstützen die junge Familie zusammen mit zwei festangestellten Mitarbeitern weiterhin tatkräftig. Denn auf dem 53-Hektaren-Betrieb von erstaunlicher Vielseitigkeit gibt es mehr als alle Hände voll zu tun.

Fit und flexibel 

Ein Betrieb wie dieser bringe entsprechend Belastung mit sich, aber er habe nach dem Bürojob in einem Handelsbetrieb seinen eigenen Weg gehen wollen, erzählt Mathias Ackermann. Der führte den Biolandwirt und Agrotechniker über Umwege – unter anderem auch auf einen Milchbetrieb in Holland – zum elterlichen Hof zurück. Mathias Ackermann und seine Frau Exkarly, ausgebildete Köchin, achteten bei der Übernahme sehr darauf, den Betrieb fit und flexibel in die Zukunft zu führen. Sie verlegten das Schergewicht auf die Hofverarbeitung und auf die Landwirtschaft. Die von den Eltern aufgebaute Hofmolkerei führen sie in einer vereinfachten, dem heutigen Konsumverhalten angepassten Form weiter. Frischkäse, allerfeinste Glace und weitere, hofeigene Produkte sind neben solchen von Partnerbetrieben im professionell eingerichteten Selbstbedienungsladen erhältlich. Was das Standbein Landwirtschaft betrifft, stehen neben den 90 Milchkühen vor allem Ackerkulturen, wie Saatkartoffeln, Hopfen, Mais und Sorghum, im Vordergrund.

Ja. Ist gut.

Mathias Ackermann erzählt, dass er nach einer Kultur gesucht habe, die das Zeitfenster seiner intensiven, einen ganzen Monat lang dauernden Hopfenernte nicht belasten sollte. Er habe zudem eine Kultur bevorzugt, für deren Anbau und Pflege er die bereits vorhandenen Maschinen einsetzen konnte. Im Jahr 2021 startete er einen Versuch mit Sorghum. Und erntete drei Tonnen. «Ich griff zum Telefon und nahm Kontakt auf mit dem Biofarm-Verantwortlichen für Landwirtschaft», berichtet er. Der sei vorbeigekommen und habe gesagt: «Ja. Ist gut.» Dazu der Landwirt: «Es gibt wirklich nicht viele, die mir so spontan zugesagt hätten.». Auch im Folgejahr nahm ihm die Genossenschaft die Ernte ab. Der Sorghum-Pionier lobt die «unkomplizierte, offene, engagierte Art» einer Vermarktungsplattform wie Biofarm, die sich für Spezialkulturen wie diese einsetzt und sie dem Schweizer Speisekanal zuführt. Bereits sein Vater Erwin Ackermann, der auch Genossenschafter von Biofarm ist, hatte mit dem Anbau von Bio-Hopfen Pionierarbeit geleistet. «Alles Bio-Bier in der Schweiz erhält heute Hopfen von uns, wir liefern an rund 30 Brauereien», so der Sohn.  

Der Maispflanze ähnlich

Das in Südamerika und Afrika verbreitete Sorghum benötigt viel Wärme, um aus dem Boden zu schiessen. Die Kultur sieht dem Mais sehr ähnlich, kann aber Trockenheit besser aushalten und wächst langsamer. Mitte/Ende Mai kommen die Sorghum-Körner in Wolfwil in den Boden, dem der Landwirt reichlich Dünger vom Hof zuführt. Nach dem Aufkeimen der Pflanzen achtet Mathias Ackermann mit dem Hackgerät gut darauf, dass das schnell wachsende Unkraut in den lichten Saatreihen nicht überhandnimmt. Anfangs Oktober lässt er die abgeernteten Sorten (weiss und rot) nachtrocknen. Dann werden sie zur Reinigung und Aufbereitung in die Sammelstelle von Oberbipp transportiert, vorbei an den Kamelen Amadeus und Sultan. Aber die beiden bringt auch das nicht aus der Ruhe. 

Autorin: Sabine Lubow

Dazugehörige Produkte

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick 

Biohof Schlatthof 

Mathias (1987) und Exkarly (1994) Ackermann mit Luan

Betriebsübernahme von den Eltern Erwin und Regina Ackermann: 2020

Umstellung auf Bio-Knospe: 1994

  • Landwirtschaftliche Nutzfläche 53 ha
  • Ackerkulturen: Saatkartoffeln, Hopfen, Mais, Körnersorghum, UrDinkel, Gras 
  • Weideland, Ökoflächen; Wald
  • Tiere: 90 Milchkühe (Schweizer Fleckvieh), 10 bis 30 Kälber, 2 Esel, 2 Kamele
  • Hofverarbeitung: Weichkäse, UrDinkel-Teigwaren, Glace, Konfitüren, Saucen, Biobier
  • Agrotourismus mit Hofladen, Hofbeiz und Gästehaus 

www.schlatthof.ch 

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