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Quinoa-Gallandat
Wo sich Mittelalter und Moderne finden
Auf dem Hochplateau des Jorat scheinen die Felder mit unsichtbaren Seilen am Himmel befestigt. Hier oben in Démoret VD wächst das «Andenkorn» Quinoa von André Gallandat. Noch ist es eine Rarität in der Schweiz. Sie ist mutigen Landwirten in Zusammenarbeit mit Biofarm zu verdanken.
In dem kleinen Dorf über den Tälern der Broye und der Menthue, im Südwesten des Neuenburgersees, scheint die Zeit stehengeblieben. Doch der Schein trügt. In dem denkmalgeschützten Kleinod aus der Zeit des Mittelalters steht die Ferme von Familie Gallandat. Bis ins stattliche Alter von 90 Jahren hat sie der Grossvater geführt, bevor er sie dem Sohn übergab und dieser dann mit 60 seinem Sohn André. Ein Wind der Moderne weht seither über der Hochebene: Nach der Hofübernahme hat sich der Junglandwirt und ETH-Agronom mit Interessierten aus der Region zusammengetan. Er ist Gründungsmitglied der «Biolat Sàrl» und als deren Geschäftsführer verantwortlich für die Betriebsführung und die Bewirtschaftung von insgesamt 169 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche - von der Vorbereitung, der Aussaat, der Pflege und der Ernte bis hin zu Lagerung, Vermarktung und Transport.
Potential für die Zukunft
André Gallandat scheint sich in Theorie und Praxis wohl zu fühlen. Und er packt gern Neues an. Das Experiment mit Quinoa reizte ihn. «Ich verstand nicht, warum dieses Korn in der Schweiz kaum kultiviert wird, obwohl es sich mit dem Klimawandel hier gut anpassen kann und auch entsprechende Nachfrage besteht», sagt er. Für ihn weist der Anbau dieser Kultur – ähnlich der Linse – auch dank ihres hohen Proteingehalts grosses Potential auf für die Zukunft. Doch für die Schweizer Landwirtschaft bleibt die Ackerpflanze aus Südamerika anspruchsvoll. Das bestätigt auch Hansueli Brassel, Berater und Produktmanager für Getreide und Ackerbauspezialitäten bei Biofarm: «Quinoa wächst weder bei viel Nässe noch bei grosser Hitze gut. Ausserdem lieben ihn Schädlinge, wie Schnecken, Erdflöhe, Erdschnaken oder Wanzen, ganz besonders. Auch im Kampf gegen das Unkraut ist er eine echte Herausforderung.» Zudem seien bislang noch wenige an Europa angepasste Sorten erhältlich, diese seien teuer, und es brauche noch einiges an Erfahrung in Anbau, Reinigung und Verarbeitung, hält der Fachmann fest.
Extreme meistern
Auf dem Hochplateau um Démoret können die Temperaturunterschiede extrem sein. Noch im Mai kann es schneien und ein paar Tage später schon bis zu 30 Grad heiss werden. All das schreckt den Vaudois nicht ab. Für ihn gilt: «Auch schwierige Bedingungen bieten Vorteile - man muss sein Bestes dagegen tun, aber man muss damit arbeiten.» Mit den Sorten Titicaca und Vikinga (ohne den Bitterstoff Saponin) hat er gute Erfahrungen gemacht und festgestellt, dass Quinoa mit der Wärme auch in seiner Heimat so richtig aufblühen kann. Im April sät er aus. Ist der Boden von den Jungpflanzen gedeckt, lässt er die Kultur mit einem kameragesteuerten Hackgerät auf 16 cm Reihenabstand hacken. Was das Hackgerät nicht beseitigt, wird von Hand ausgerissen. «Vor allem der weisse Gänsefuss ist das Hauptproblem hier oben», sagt der Landwirt. Da diese Kultur reichlich Stickstoff braucht, versorgt sie der Biobauer, der einen viehlosen Betrieb führt, mit Hühnermist aus dem Nachbardorf. Sind im August/September die Quinoa-Blätter trocken und fallen ab, ist Zeit zum Dreschen und Mähen. André Gallandat: «Wir machen das am späteren Nachmittag, damit alles so trocken wie möglich ist und achten darauf, dass die Körner gut rausfallen.» Da seine Ernte auf 730 m.ü.M. nicht genügend trocken ist, lässt er sie in Holzkisten noch während einer Woche in der Trockenanlage belüften.
1,5 Hektaren Quinoa baut André Gallandat für Biofarm an. Er schätzt den «familiären, guten Kontakt» mit der Genossenschaft wie auch mit der Mühle Rytz, an deren regionale Sammelstelle er liefert. Für ihn ist wichtig, dass Bio ein Nischenangebot und nahe bei den Produzenten bleibt. «In einer Landwirtschaft mit voranschreitender Rationalisierung müssen wir den bestmöglichen Kompromiss finden», betont er. Genau dafür setzt er sich als Landwirt, Agronom, Geschäftsführer, Gemeinderat und Familienvater ein.
Autorin: Sabine Lubow
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Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick
Ferme Gallandat
André (1983) und Marie-Joëlle (1983) Gallandat mit Alexandre, Julia und Valentine
Hofübernahme: 2010
Umstellung auf Bio: 2017
Gründung Biolat Sàrl: 2014
- Anbau für Biofarm: Quinoa, Linsen/ Leindotter, Schälsonnenblumen, Lein
- Ackerbau: Kartoffeln, Mais, Brotweizen, Dinkel, Erbsen/Gerste
- Feldgemüse: Zwiebeln, Sellerie, Topinambur
- Hochstammobst: Kirschen, Äpfel, Birnen
- Kunstwiesen und Ökoausgleichsflächen
- www.famille-gallandat.ch
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