Familie Christina de Raad Iseli und Christian Iseli

La Sarraz | VD

Alle Arbeitsschritte an einem schönen Ort

Dem historischen Städtchen La Sarraz gegenüber schmiegen sich die Felder und Wiesen der Ferme Iseli an den Jurasüdfuss. Auf einem der Äcker offenbart sich eine erstaunliche «Wohngemeinschaft»: Kichererbsen für Biofarm teilen sich dort den Raum mit Leindotter und mit Gerste.

Christina de Raad Iseli steht an diesem Augusttag am Feldrand und prüft den Reifegrad ihrer Kichererbsen. Sie gehört zu den ersten, die sich im Jahr 2010 im Waadtländer Mittelland neben Linsen und gelben Erbsen auch an den Anbau von Kichererbsen wagten. Der lockere, feine Boden rund um die von den Schwiegereltern übernommene Ferme, aber auch der Klimawandel mit zunehmender Trockenheit und wärmeren Temperaturen haben der Ackerfrucht aus dem Süden zum Durchbruch verholfen. «Ich habe eine Schwäche für Hülsenfrüchte allgemein», sagt sie, «auch wenn Kichererbsen nicht einfach sind im Anbau.» Feuchtigkeit mögen diese Schmetterlingsblütler nicht, und ihre Körner können von einem Pilz befallen werden, der sie hässlich braun werden lässt und ihnen obendrein einen schlechten Geschmack verleiht.» Da es die Kichererbse gerne trocken hat, ist sie gegenüber dem feuchtigkeitsliebenden Unkraut im Vorteil. Um dem Risiko eines nassen Frühlings vorzubeugen, wollte die Waadtländerin mit holländischen Wurzeln einen Versuch starten. Die zarten, jungen Pflänzchen sollten nicht auf dem Boden liegen bleiben und vom robusteren Unkraut behindert werden. Christina de Raad Iseli lud deshalb «Mitbewohner» ein. Sie säte zusätzlich Gerste und Leindotter und erklärt: «Diese beiden Ackerpflanzen dienen als Stützen, alle drei Kulturen sind gleichzeitig reif, und man kann sie zudem leicht aussortieren.»

  

Die Guten ins Töpfchen
Pro Jahr werden auf der Ferme Iseli durchschnittlich zwei Hektaren mit Kichererbsen bestellt. Sowohl für die Aussaat im April wie auch für die Ernte im August spielt das Wetter eine grosse Rolle. Nach zehn Anbaujahren bilanziert die Biobäuerin: «Während ein gutes Jahr bis zu fünf Tonnen bringt, ist in einem schlechten Jahr kaum etwas bis gar nichts zu ernten.» Sie führt vom grossen, zweckmässig eingerichteten Lager- und Verarbeitungsraum mit Hofladen hinüber zur Scheune beim Wohnhaus. Weil in der Region um La Sarraz die geeigneten Strukturen zum Trocknen und Sortieren für das Erntegut solcher Spezialkulturen fehlten, beschloss Familie Iseli im Jahr 2012, in ausgeklügelte Maschinen zu investieren. Bohnen, Erbsen, Linsen, Senf, Lein oder eben Kichererbsen durchlaufen dort ein schnurrendes, klapperndes, rüttelndes Labyrinth, das sie von Unreinheiten, Steinchen und anderen unterwünschten Kleinigkeiten befreit und fein säuberlich sortiert auf den genüsslichen Gebrauch vorbereitet.

  

Unternehmertum
Seit einigen Jahren schon sind Christina de Raad Iseli und ihr Mann Christian – neben seiner Haupttätigkeit als Bereichsleiter des Kompetenzzentrums für Bioinformatics an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne ebenfalls gelernter Bauer – zuverlässige Partner von Biofarm für die Reinigung verschiedener Spezialkulturen. «Unsere sehr gute Zusammenarbeit ist bereichernd für beide Seiten», sagt die Betriebsleiterin. «Für einen vielseitigen Betrieb wie den unseren, der Vieles in kleinen Mengen produziert, ist es unterstützend, auf solch kompetente Ansprechpartner zählen zu dürfen.» Auch was die Kooperationsmöglichkeiten unter den Kolleginnen und Kollegen in ihrer Region anbelangt, stellt die engagierte Bäuerin erfreuliche Entwicklungen fest: «Wir sind zahlreicher geworden, können uns austauschen, spezialisieren, zusammentun für Transporte, Verarbeitung, Märkte, und das erleichtert Vieles.» Sie weiss, wovon sie spricht, diese ETH-Ingenieurin in Mikrotechnik, vierfache Familienmutter, die vor ihrem Einstieg in die Landwirtschaft rund 15 Jahre in der medizinischen Bildgebungstechnik mit Röntgenstrahlung gearbeitet hatte: «Man stellt sich kaum vor, was so ein Betrieb an Arbeit und Organisation bedeutet, was alles für Entscheidungen zu fällen sind, was es alles zu berechnen gibt – nur schon zum Beispiel die Zeit, die eine bestimmte Zahl Hühner auf einer bestimmten Weidefläche picken dürfen.» Fast etwas spitzbübisch schiebt sie nach: «Und beim Erledigen weniger anspruchsvoller Arbeiten kommen dann oft die Ideen für spannende, neue Projekte.»

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Ferme Iseli

Christian Iseli (1979) und Christina (1965) de Raad Iseli mit Abraham, Gabriel, Lucien und Mona

Betriebsübernahme: 2003
Umstellung auf Bio-Knospe: 2003
Landwirtschaftliche Nutzfläche: 29 ha

 

Landwirtschaftliche Nutzfläche 44 ha

Ackerbau: Kichererbsen, Linsen, Hafer, Lein,
Buchweizen, Weizen, Dinkel, Leinsamen, Gerste,
Bohnen, gelbe Erbsen

 
Kunstwiesen  
Tiere: 250 Legehennen, 10 Mutterkühe (Angus),
2 Pferde (Freiberger)
 
Reinigungsanlage für Spezialkulturen
 
Hofladen und Bed & Breakfast  


www.ferme-iseli.ch

IMPRESSIONEN

  • De-Raad_1
  • De-Raad_5
  • De-Raad_2
  • De-Raad_6
  • De-Raad_3