Familie Robin Tschannen

Murzelen | BE

«Meertrübeli» aus Murzelen

Wie winzige Murmeln aus rotem Glas funkeln sie durch das Blattwerk. Vorbei ist der Johannistag, jetzt sind sie reif für die Ernte. Der Berner Biolandwirt Robin Tschannen kultiviert die fruchtig-säuerlichen Beeren für Biofarm. Seine «Meertrübeli» kommen aus dem tiefen Binnenland. 

«Beeren sind sehr anspruchsvolle Kulturen. Ihr Anbau verlangt Risikobereitschaft, Arbeitseinsatz, Geschick, Ausdauer und ein sehr hohes Qualitätsbewusstsein», sagt der Fachspezialist. Timon Lehmann arbeitet als Berater und Produktmanager für Steinobst und Beeren bei Biofarm. Auf die Johannisbeeren von Robin Tschannen sei Verlass, so seine Erfahrung. Seit einigen Jahren schon arbeitet Familie Tschannen aus dem Dorf Murzelen mit der Genossenschaft in Kleindietwil zusammen. Bereits vor der Umstellung auf Bio-Knospe in den 80er Jahren hatte Vater Willy auf seinem Kleinbetrieb verschiedene Beerensorten angebaut. Aber dann mit Bio? Geht das mit den Blattläusen, ohne Kupfer und Insektizide, fragte er sich. Es ging - mit gelungenen, aber auch einigen missratenen Versuchen und so manchen Aufs und Abs. Wie etwa im Sommer 2003, als die grosse Hitze auf die Felder dieser sonst so saftig-grünen Oase im Berner Mittelland brannte. Und es ging auch mehr oder weniger gut in einer Zeit, als für ihn noch keine Vermarktung möglich war, noch keine Direktzahlungen vom Bund in Aussicht standen. Es habe einfach keinen Sinn, mit fragwürdigen Mitteln immer mehr zu produzieren, sind sich Vater und Sohn einig.
 

Schneiden ist entscheidend
Für Robin Tschannen stellte sich bei der Hofübernahme insofern keine Frage – weder die, bei Bio zu bleiben noch die, auf «Trübeli» zu verzichten. Letztere baut er heute auf 15 Aren an. Mit der «Jonkheer van Tets», einer sehr alten Frühsorte, hat er gute Erfahrungen gemacht. Sie ist «gäbig abzbeerle», lässt sich also leicht vom Stiel lösen. Für die Verarbeitung ist das ein grosser Vorteil. Inzwischen gedeihen neben den 148 Stöcken verschiedene weitere, auch spätere Sorten, so etwa 25 Stöcke der robusten «Roodneus». Die unterschiedlichen Reifezeiten der Johannisbeeren hat der Jungbauer auf dem vielseitigen Betrieb arbeitstechnisch neben seinen anderen Kulturen gut im Griff. Beeren verlangen reichlich Nährstoff. Auf dem Biohof in Murzelen erhalten sie Hofmist sowie Gras zur Abdeckung. Der Betriebsleiter erklärt: «Das Schneiden ist entscheidend, nicht zu dicht, nicht zu viele Ruten. Wir lassen vier Ruten mit einer einjährigen Rute stehen.» Geschnitten wird nach dem Vegetationsende. Geerntet wird, wenn alle Beeren am Stengel rot sind. Dann kommen die «Trübeli» voller Saft in die «Rupfimaschine». Das ist bei den Tschannens die Entstielmaschiene für Kirschen.

  

Bei schönster Röte
Frisch in kleine Holzkisten abgefüllt, ist es nur ein Katzensprung bis ins eigene Tiefkühllager. Dort ruhen die Beeren ein bis zwei Tagen, bis Biofarm die neue Lieferung erhält. «Sie ist unsere zuverlässige Abnehmerin mit einem echten Interesse daran, unsere Produkte auch wirklich zu vermarkten», sagt Robin Tschannen. Besonders schätzt er, dass sich die Genossenschaft auch für kleine Produzenten verlässlich einsetzt. Das mache es ihm wie anderen kleineren Betrieben erst möglich, zu rentablen Preisen produzieren zu können. Wie andere Kollegen ist er froh um eine Stelle im Nebenerwerb. Er arbeitet zu 40% bei der Securitas. Seine Frau Patricia kommt zu uns an den Tisch. Die Pflegefachfrau kehrt vom Nachtdienst im Berner Inselspital zurück. Zeit für die Frage, wie Tschannens die Beeren am liebsten essen: «Im Kuchen oder als Gelee», sagt der Vater. «Ins Birchermüesli, da müssen sie zwingend rein», hält der Sohn fest. Das volle Aroma jedenfalls entfalten die «Roodneus» oder die «Jonkheer van Tets» gerade bei schönster Röte. Ihre niederländischen Namen mögen ja von der Küste stammen – doch diese «Meertrübeli» sind rot wie eine nigelnagelneue Schweizer Fahne und definitiv aus dem Binnenland.

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 
Robin (1980) und Patricia (1978) Tschannen

Hofübernahme: 2014 von den Eltern Willy und Nelly Tschannen
Umstellung auf Bio-Knospe: 1987

 

Landwirtschaftliche Nutzfläche 11 ha

Ackerkulturen: Roggen, Weizen, Ackerbohnen
Kunstwiese, Weiden und Naturwiesen

 

Obst: Hochstammobstbäume; Himbeeren und
Johannisbeeren

 
Tiere: 6 Mutterkühe (Angus und Galloway) mit Kälbern -
Jungvieh (5-6 Rinder und Ochsen) für Bio-Weidebeef,
2 Esel, Hund und Katzen
 

 

IMPRESSIONEN

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