Familie Stephan und Marianne Strasser

Raperswilen | TG

Ein Korn zum schwärmen

«Diese Ähren, so irrsinnig schön und hoch – hoffentlich können wir den Emmer noch lange machen», sagt Stephan Strasser. Der Biolandwirt von Raperswilen im Thurgau baut das uralte Getreide an für Biofarm. Schmackhafte Teigwaren, Brote und allerlei Feines gibt es her.

Bis auf die Bronze-, vermutlich sogar bis auf die Eisenzeit zurück reichen die Wehranlagen auf dem Gemeindegebiet von Raperswilen im Thurgau. Wen wundert’s, dass Marianne und Stephan Strasser Gefallen finden an Emmer, diesem Dinosaurier unter den Getreidearten. «Wir suchten nach etwas Altem und Gesundem, das nicht viel angebaut wird», erklärt der Landwirt. Das Mehl mit nussigem Aroma verarbeiten er und seine Frau direkt auf dem Hof zu Nudeln. Der Biobäuerin gelingt ein knuspriges Brot, das köstlich schmeckt und noch nach Tagen seine Frische bewahrt.
 

«Ein echter Frauenbetrieb»
1991 übernahm das Landwirtepaar den Kleinbetrieb von Mutter Heidi Strasser in der weiten, weichen Landschaft des Seerückens, unweit von Konstanz. Der Hof sei ein echter Frauenbetrieb, meint die Schwiegertochter. Sie lächelt verschmitzt. Schon die Grossmutter ihres Mannes sei hier Chefin gewesen. Marianne Strasser hatte nach der Bäuerinnenschule in so manchen Landwirtschaftsbetrieb hineingesehen, bevor sie nach Raperswilen kam. Hier nahm sie die Zügel in die Hand, gemeinsam mit ihrem Mann, der seit der landwirtschaftlichen Lehre dem Bauern im Nebenerwerb treu blieb und viele Jahre als Lagerleiter arbeitete. Auf Biolandbau umstellen wollten beide. Diese ganze Spritzerei habe nicht gutgetan, sagen sie. Stephan Strasser gerät ins Schwärmen: «Ich schaute dem Biolandwirt Urs Baumberger in der Nachbarschaft zu: Wie der seine Kulturen gestriegelt hat, das war einfach schön, und es hat funktioniert.» Seither holt auch er den Striegel hervor. Über das Emmerfeld fährt er ein- bis zweimal im Frühling. Die Saat kommt im Herbst in den Boden. So habe bei ihnen die Kultur die besten Chancen. Emmer wächst gemächlich, weshalb den jungen Pflänzchen das viel schnellere Unkraut leicht in die Quere kommen kann. Zur Stärkung gibt ihm Stephan Strasser im Frühling Komposttee, eine Mischung aus langjährigem, gegärtem Kompost, Zuckerrohrmelasse, Steinmehl und Malzkeimdünger. Diese würzige «Teemischung» wird auf 22 Grad erhitzt, über 36 Stunden lang gerührt und dann abgesiebt. Er erklärt: «Beim Laden der Spritze füge ich EM hinzu, eine Mischung von Mikroorganismen, und die spritze ich je nach Bedarf alle zehn Tage, aber nur morgens früh oder abends spät, niemals in praller Sonne.» Seine Frau lässt sich diesen Steilpass nicht entgehen und scherzt sogleich: «Kein Wunder denken viele, wir Biobauern würden genauso spritzen wie die anderen und erst noch heimlich.»  
 

Boden ist Leben
Auch in der Region von Raperswilen macht sich die Trockenheit der letzten Jahre bemerkbar. Die eher schweren Böden müssen deshalb schnell gedeckt werden. Das Thema Boden fasziniert Stephan Strasser schon lange. Er hat viel darüber gelesen, sich in Kursen fortgebildet. Seit einigen Jahren setzt er auf die Arbeitsweise der regenerativen Landwirtschaft. Diese schenkt dem Humusaufbau grosse Bedeutung, um eine langfristig stabile Bodenstruktur mit positiver Wirkung auf die Ernährung und die Gesundheit der Pflanzen zu erzielen. Mit sogenannten «Untersaaten» und «Zwischenfrüchten» sorgt der Biolandwirt dafür, dass seine Felder stets begrünt bleiben. Das hilft, das Unkraut in Schach zu halten, im Boden Stickstoff zu fixieren und der Bodenerosion vorzubeugen.

Brusthoch und stattlich steht der Emmer da. Über das Feld auf dem Hügelzug, oberhalb der Hühnerweide mit Blick auf die Riegelhäuser, weht ein Sommerlüftchen. Leicht fährt es über die Ähren, lässt sie tänzeln mit ihren feinen Grannen wie winzige Antennen vor der Kulisse des Säntis und der österreichischen Alpen. «Wir dürfen keinen Halmverstärker spritzen,» sagt Stephan Strasser, «und wenn der Emmer liegt, bleibt der Halm unten, aber die Ähren kommen immer wieder hoch – mir gefällt das.» Diese Ähren werden sogar noch nach der Ernte im August ihre Körner fest im Spelz umschlossen halten. In der Hülle, den sogenannten Fesen, sind sie vor Umwelteinflüssen bestens geschützt. Erst wenn sie in die Getreidesammelstelle nach Marthalen und anschliessend in die Mühle kommen, werden sie aus den Spelzen geschält (geröllt). Über das übriggebliebene Stroh freuen sich die Hühner vom Biohof Strasser. Goldgelb sei es, einfach super, findet der Biobauer, und schon schwärmt er wieder.

  

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Stephan (1963) und Marianne (1962) Strasser mit Mathias (1986) und Tobias (1992)

Betriebsübernahme: 1991
Umstellung auf Bio-Knospe: 2010

 

Landwirtschaftliche Nutzfläche 12 ha

Ackerbau mit Emmer, Speisehafer, Weizen,
Gerste, Mais, Kunstwiesen

 

Obst: Aronia-Plantage, 45 Hochstamm-Apfelbäume
für Mostobst

 
Gemüse: Kabis und Lauch  
Tiere: 2000 Legehennen, 80 Mastschweine,
2 Hofkatzen
 
Marktstand in Ermatingen TG (Mai bis Oktober,
jeden letzten Samstag des Monats) 
 

 

www.aroniastrasser.ch/biohof-strasser/

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