Familie Bruno Martin

Ligerz | BE

«Guten Wein gibt es, wenn es der Rebe gut geht.»

Steil sind die Rebhänge oberhalb von Ligerz. Steht man mittendrin, tauchen sie ein ins Blau: nach unten in das des Bielersees, nach oben in das des Himmels. Auch Blauburgunder zum Beispiel reift hier für Biofarm. Die erstaunliche Fauna und Flora in den Reben ist Biowinzer Bruno Martin zu verdanken.

Voraussetzung für guten Wein sei ein ökologisches Gleichgewicht, eine gesunde Erde mit Millionen von Lebewesen und Wasser, das gut versickert. Dann brauche es auch keine Gifte, alles könne sich entfalten, sagt Bruno Martin. Der Biowinzer ist einer der wenigen Urproduzenten am Bielersee, die das verkaufen, was sie selbst produzieren. Seit 1982 ist er selbstständig. Nicht nur in der Region des Berner Seelands hat er sich als Bioweinpionier einen Namen gemacht. Der gelernte Küffer und eidg. dipl. Winzermeister kämpft seit einem Vierteljahrhundert für und um eine intakte Natur. Die Artenvielfalt hier fällt sofort auf: Heckenrosen, Efeu, Stauden, Hecken, Hochstammbäume, aber auch Trockenmauern und Steinhaufen beleben die Parzellen. Sie bieten Unterschlupf und Nahrung für Wiesel, Schlangen, Eidechsen, zahlreiche Vögel, Schmetterlinge und Insekten. Beim Gang durch die begrünten Reben ziehen Milan und Falke ihre Kreise. Auch der selten gewordene Neuntöter brütet wieder, dessen Bestand sich laut BirdLife Schweiz in den letzten 30 Jahren halbiert hat. Bruno Martin steckt etwas von dem noch zarten, wilden Karottenkraut in den Mund und deutet auf den Boden: «Unsere Arbeit in den Reben hat Einfluss auch auf die unsichtbare Vielfalt im Boden.» Das ist die Grundlage, dass die Nährstoffe für seine Reben stimmen, dass es keine Mangelerscheinungen gibt. Klar, man dürfe dann auch im Keller keinen Fehler machen: «Meine Weine sind beliebt, weil sie harmonisch wachsen, und das scheinen die Leute zu spüren.»

  

Der grüne Spinner
Der Sohn eines Weinhändlers war 20 Jahre jung, als er die Reben seiner Grosseltern mütterlicherseits übernehmen durfte. Von Anfang an wollte er ein stabiles Ökogleichgewicht zurückerobern. 1981 ersetzte er vorhandene Rebstöcke mit neuen Sorten und hörte ganz auf mit dem Spritzen von Akariziden. Damals hätten ihm Kräuselmilbe, rote Spinne und gelbe Spinnmilbe dann aber gezeigt, wo es durchgehe. Doch wenn sich erst einmal genügend Arten eingestellt haben, funktioniere es, versichert er.

«Meine Reben sahen am Anfang schrecklich aus», erinnert Bruno Martin. Als grüner Spinner wurde er bezichtigt. Die wenigsten Kollegen in Dorf und Umgebung konnten verstehen, warum er weniger Ertrag in Kauf nahm, wo er doch mehr hätte ernten können. Nur die Gewissheit, dass es der richtige Weg sei und das System so in ein Gleichgewicht kommen würde, gab ihm die nötige Sicherheit, dem enormen Druck seines Umfelds standzuhalten. «Die Robustheit der Pflanzen hängt sehr stark vom Ertrag ab, die Pflanze kann bei weniger Ertrag mehr Reserven bilden», hält er fest. Bei Hagelschlag zum Beispiel macht Bruno Martin die Erfahrung, dass die betroffenen Reben ein Jahr später stärkeren und besseren Wein ergeben. Heute stehen auf den verschiedenen Parzellen seines Weinbetriebs gegenüber der St. Petersinsel über 60% robuste PIWI-Reben (Box).

  

Von den Grosseltern gelernt
Im Empfangsraum des grossen alten Winzerhauses an der schmalen langen Dorfgasse klingelt das Telefon. Bruno Martin meldet sich – Vorname schweizerdeutsch, Familienname französisch. Kunden aus Basel wollen den bestellten Traubensaft abholen. Auch Biofarm zählt seit 1994 zu seinen treuen Abnehmern. «Eine wertvolle Organisation und als überregionale Institution ein Garant für uns hier», anerkennt der unkonventionelle Winzer. Was hat ihn geprägt? «Die Vorbildfunktion von Menschen mit einem grossen Herz, die mich mit ihrer Lebensweise faszinierten, mir mit wenigen Worten ihre Werte vermitteln konnten», antwortet er. Allen voran nennt er seine Grosseltern, die ihn als Kind in die Reben mitnahmen. Vielleicht sei es auch das Spannungsfeld gewesen, in dem er aufwuchs zwischen einem Vater, der als Weinhändler das Finanzielle in den Vordergrund stellte, und der Ruhe, der Herzenswärme, der Weisheit seiner Grosseltern. Einige seiner Jahrgangsweine hat Bruno Martin, der seine vier Kinder allein grossziehen musste, seiner allzu früh verstorbenen Tochter Leslie-Ann gewidmet. Zum Beispiel den «Lacerta», der ganz ohne Zusätze auch bei Kelterung und Verarbeitung in seinen Eichenfässern reift. Er erinnere an die Kraft und die Ausstrahlung seines Mädchens. Ein Blauburgunder, harmonisch gewachsen zwischen Himmel und See.

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen und Weingut auf einen Blick

BioVin Martin

Bruno Martin (1961) mit Adrian, Robin, Carina, Leslie-Ann (†)

Betriebsübernahme: 1982
Umstellung auf Bio-Knospe: 1990

Rebland 8 ha
Ökoflächen
0.52 ha

Rebsorten: Bianca, Chasselas, Chardonnay,
Seyval Blanc, Cabernet Blanc, Souvignier Gris,
Johanniter, Blauburgunder, Gamaret, Zweigelt,
Regent, Muscat Bleu, Divico, Maréchal Foch,
Leon Millot

 

Geführte Wanderungen (Wildkräuter, Biodiversität)
durch den Rebberg

 

 

www.biovin-martin.ch

IMPRESSIONEN

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