Familie Viktor Hossli und Josef Ruhstaller

Oberzeihen | AG

Sind die Wespen da, ist es bereits zu spät

«Ich produziere nicht nur, ich geniesse auch gern», betont Viktor Hossli beim Rundgang durch seine Hochstamm-Obstkulturen. Für die Genossenschaft Biofarm sind die besonders aromatischen, saftigen Zwetschgen vom Hondernhof in Oberzeihen AG ein Glück. Und nicht nur für sie.

Speziell gut schmeckt Viktor Hossli eine frische Zwetschgenwähe, und zwar die selbstgemachte von Josef Ruhstaller. «Die mit dem luftigen Teig aus Dinkelmehl», sagt er mit vielsagendem Blick zum Hersteller. Mit ihm zusammen bewirtschaftet er den Betrieb, den er 1993 von den Eltern übernahm. «Vergiss es, davon kannst du nicht leben», hatte die Mutter Jahre zuvor zu ihrem jüngsten Sohn gesagt. Doch dieser wollte das eine tun und das andere nicht lassen. Bei den Schweizerischen Bundesbahnen absolvierte er eine Ausbildung zum Betriebsangestellten. Seinem Vollzeitjob als technischer Kontrolleur bei der SBB Cargo ist er treu geblieben. Den Landwirtschaftsteil des grosselterlichen Hofs kaufte er den Eltern trotzdem ab. Bauern wollte er auch. «Zu Ehren der Eltern und aus Leidenschaft, aber mehr zum Schaffen als zum Leiden», so seine Erklärung. Seine einzige Chance, aus diesem kleinen Betrieb etwas Gesundes, etwas Gutes und mit angenehmer Wertschöpfung für alle zu machen, sei die Umstellung auf Bio gewesen. Der «Bähnler» besuchte Bio-Ausbildungskurse, unter anderem auf dem Möschberg in Grosshöchstetten BE, und fand sich in seinen Ideen bestätigt. So kam er auch mit der Biofarm in Kontakt, die zunächst seine Sojaernte abnahm. Ihr Kontakt seither sei «einmalig», sagt er. 1996 stellte Viktor Hossli auf Grünland um und verzichtete später ganz auf den Ackerbau. Zwei Jahre später pflanzte er insgesamt 120 Hochstammobstbäume, denen immer wieder weitere folgten: «Unten weiden die Kühe, oben wächst das Obst: Das ist verdichtetes Bauen», bemerkt er spitzbübisch.

Jeder Baum hat zwei Seiten
40 seiner Hochstammbäume hängen im Spätsommer voller süsser Zwetschgen. Auch der älteste Baum steht mit 60 Jahren noch voll im Saft. Viktor Hossli: «Ab Mitte August fangen wir je nach Wetter mit der Ernte an. Wir nehmen die Früchte in die Hand und prüfen ihren Härtegrad. Jeder Baum hat eine frühe und eine späte Seite. Die Südseite ist früher reif, und wenn die Wespen da sind, ist es bereits zu spät.» Ein Glück, sind im Spätsommer nicht alle Früchte gleichzeitig erntereif. Sie wachsen an verschiedenen Standorten des Biobetriebs. Die Sorte «Fellenberger» ist die erste, gefolgt von der «Bühler», und schliesslich sind die «Hauszwetschgen» dran. In dieser Reihenfolge kommen die beliebten Biofrüchte unter Mithilfe von Familie und Bekannten auf den Leitern in Körbchen und nach der Auslese in Harassen. Durchschnittlich sind es vier Tonnen pro Jahr. Was nicht an Biofarm geliefert wird, verarbeitet die Brennerei Schwaller in Gipf-Oberfrick AG. In einer Schreinerei arbeitet dort auch Josef Ruhstaller. Er wirft ein: «Wir desinfizieren mit dem Schnaps nicht zuletzt auch die Euter unserer Multikulti-Kühe, das hält die Insekten ab.» Dem gelernten Schreiner, Zimmermann und Energieheiler gelingt auf dem Hondernhof nicht nur die Zwetschgenwähe. Seine für den Hausgebrauch gebackenen Brote mit Biodinkel und Leinsamen finden immer wieder Gefallen auf dem Markt. Mit Hingabe melkt und betreut er die kräftigen, ausnehmend schönen Tiere. «Unsere Aufzuchtkälber sind so etwas wie Hofhunde», sagt er.

Gepflegt und robust
Der Besuch der Kühe, Gülle und Mist, stete Beobachtung sowie gekonnter Baumschnitt im Januar tragen dazu bei, dass die Hochstamm-Obstbäume vom Hondernhof gepflegt, gesund und robust sind, dass sie gut wachsen und extremen Witterungsbedingungen standhalten. Das recht raue und trockene Klima auf 450 m.ü.M. hat ihr Obst bisher gegen Pilzbefall und die gefürchtete Kirschessigfliege geschützt. Auch von Vogelfrass bleibe es weitgehend verschont, erklärt Viktor Hossli, doch im Frühling könne hier oben manchmal der Frost zuschlagen. «Die Natur müssen wir akzeptieren – es ist, wie es ist, aber auf unserem Hof sollen alle glücklich sein», hält er fest. Mit der ruhigen, friedlichen Stimmung rundum und der frisch gebackenen Wähe auf dem Tisch glaubt man das sofort.

  

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Biohof Hondernhof

Viktor Hossli (1967) und Josef Ruhstaller (1964)

Betriebsübernahme: 1993
Umstellung auf Bio-Knospe: 1996

Landwirtschaftliche Nutzfläche 11 ha

Grünland: Kunst-, Natur- und Ökowiesen, Weiden


280 Hochstammobstbäume: Zwetschgen, Äpfel,

Birnen, Kirschen, Quitten und Baumnüsse

 

Tiere: 16 Kühe und Kälber, ca. 2 bis 3
Nachzuchtrinder im Aufzuchtvertrag


Verkauf ab Hof: Fleisch, Birnen- und Kirschensaft,
Süssmost, Schnaps
 

IMPRESSIONEN

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