Mosterei E. Brunner AG
Steinmaur | ZH

Obstbäume sind ein Generationenwerk

«99 von 100 Babys lächeln, wenn sie etwas Süsses bekommen», sagt Robert Brunner. Als Leiter Qualität der Wehntaler Mosterei E. Brunner AG denkt er bei süss auch an fruchtig. Das Familienunternehmen in Steinmaur ZH verarbeitet für Biofarm Birnen und Äpfel von Bio-Obstbauern zu besonderem Gold.

Schweizweit bekannt sind die Brunners vor allem für ihr Birnel. Das weichflüssige Saftkonzentrat schmeckt nach Karamell, Honig und Birne. Dem liegt ein traditionelles Rezept aus Mostbirnen in Bio-Knospe-Qualität zugrunde und eine Generationengeschichte. Ein Drittel des Schweizer Biobirnenbestandes gehe heute in ihr Hauptprodukt, der Rest in den Süssmost, erklärt Robert Brunner. Der Lebensmittelingenieur leitet mit seinen beiden Brüdern Hans (Obstbauer) und Stefan (Mosterei-Techniker) die Produktionsanlage im Zürcher Unterland. Gegründet hat sie 1910 Urgrossvater Ernst. Er war Buchdruckergeselle und bewirtschaftete einen Kleinbetrieb mit Acker-, Obst-, Rebbau und Kühen. Die Aufbauarbeit dieses Pioniers ist eng verbunden mit der Wirtschafts- und Agrargeschichte seiner Zeit: zunehmende Importe durch den Eisenbahnbau, Änderung der Alkoholgesetzgebung, Ausbruch des ersten Weltkrieges und Ende des Agrarfreihandels…


Vom Anbau zur Veredelung
Innovativ und unternehmerisch nahmen die Nachfolger die Weiterentwicklung an die Hand. Zum Beispiel mit Apfel- und Branntweinproduktion und einer fahrbaren Brennerei. In den 50er Jahren gab man die Viehwirtschaft auf und setzte vermehrt auf Tafelobst. Eine Melioration führte in den 70er Jahren zur Zusammenlegung verschiedener Landparzellen, zu Neubepflanzungen, dem Abschied vom Tafelobst. Hans Brunner übernahm in den 80er Jahren den Landwirtschaftsbetrieb und stellte auf Bio um. «Biofarm war damals die einzige Kontaktplattform für uns, und ihre Begleitung war ein Einstieg», erinnert sein Bruder Robert. Das Konzept, nicht nur Obst zu verkaufen, sondern auch die Veredelungsstufen zu behalten, sei für sie sehr hilfreich gewesen. «Leider gehören die tollen Sorten, wie etwa der Gelbmöstler und die Schweizer Wasserbirne, heute zu den Auslaufmodellen, bedauert er. Feuerbrand und Birnenverfall haben den alten Baumbeständen zugesetzt. Doch die Beliebtheit von Birnel ist geblieben. Und sie nimmt weiter zu.

 

1000 Bäume für die Zukunft
Um den schwindenden Rohstoff für Birnel zu sichern, haben die Gebrüder Brunner zusammen mit Biofarm und engagierten Obstbauproduzenten ein Biomostbirnen-Hochstammprojekt lanciert. Seit 2012 setzen sie sich für Pflanzung und Erhaltung von Hochstammbäumen ein. Materialbeschaffung jedoch ist nicht der einzige Grund. Hans-Ruedi Schmutz, Obstfachmann von Biofarm: «Wenn es nur um zusätzliche Birnenmengen ginge, könnten wir diese mit Niederstammplantagen rascher und billiger haben.» Es gilt vielmehr, Ökonomie und Ökologie langfristig zu verbinden: «Das Projekt bringt Vielfalt auf die Höfe, in die Landschaft - mit wichtigem Lebensraum für Insekten und bedrohte Vogelarten - und nicht zuletzt auf den Teller», betont er. Dies macht die Arbeit und den Verdienst für die Baumpflege durch die Biobauernfamilien wirtschaftlich lohnend und gibt dem traditionellen lokalen Obstverwertungsgewerbe Zukunftsperspektiven.

In einigen Jahren werden die jungen Bäume ihre ersten Früchte tragen. «Obstbäume sind ein Generationenwerk, und es ist wie bei den Kindern: Was in den ersten zehn Jahren Gutes getan wird, ist ausschlaggebend für später», sagt der Urenkel des Süssmosterei-Pioniers. Er weiss, dass gesunde, robuste Bäume 100 Jahre und älter werden. Auf dass weitere Generationen von Babys lächeln.

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Wehntaler Mosterei E. Brunner AG
Obstverarbeitungsbetrieb: Robert und Stefan Brunner
Landwirtschaftsbetrieb: Hans Brunner

Umstellung auf Bio-Knospe: 1986

Obstbaumgarten mit 200 Sorten Äpfeln und Birnen
Produktion: Birnel, Apfeldicksaft, Süssmost, 

Süssmostkonzentrat, Kirschensaft

Zertifizierung für Koscher-Produktion  

www.brunnermosterei.ch

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