Die Herausforderungen mit dem blauen Wunder 

Rund 50 Biobauernfamilien widmen sich in der Schweiz auf ca. 60 Hektaren dieser wunderschönen, alten Ackerkultur. Ihr Ertrag liegt durchschnittlich bei 12 bis 15 kg pro Are und erreicht selten mehr als 20 kg. Ein Grossteil der Ernte ergibt das beliebte Biofarm-Leinöl, der Rest steht als Leinsamen in Beutel verpackt im Angebot.

So wunderbar ihre Blüte und so wohlbringend ihr Öl – die Leinpflanze bietet beim Anbau so manche Herausforderung. Zum einen ist es das Unkraut, das die zarte und im Vergleich mit Getreide kurze Pflanze in Bedrängnis bringen kann. Zum anderen ist es die Ernte. Denn zu Biolein gesellt sich während des Wachstums oft auch eine vielfältige Beikrautflora, so dass vor dem Dreschen der Lein auf „Schwaden“, also auf lange, parallele Haufen gemäht werden muss. Dies ist zwar mit erheblichem Aufwand verbunden, doch es lohnt sich: Der Lein kann einige Tage trocknen, was verhindert, dass die Melden- und Knöterich-Samen – die am meisten verbreiteten Beikräuter – die Leinsamen befeuchten. Das „Schwaddrusch-Verfahren“ ermöglicht gleichzeitig die Einsparung von Trocknungsenergie und ist der Qualität der Leinsamen förderlich.

Viele Bauern bevorzugen eine Aussaat von Winterlein im September, damit sich die Pflanze im Frühling schnell entwickeln und den typischen Frühlingsunkräutern die Chance zum Keimen nehmen kann. Andere Anbauer bevorzugen Sommerlein, der die Fruchtfolge mit Wintergetreide besser auflockert. Die Sorten für die Biofarm-Leinsaat stammen aus Deutschland und aus Frankreich, wo nicht nur Öllein, sondern auch Faserlein gezüchtet wird. Während bei den Ölleinsorten der gute Omega-3-Fettsäure- und hohe Öl-Gehalt im Vordergrund stehen, sind es bei den Fasersorten lange Fasern von guter Qualität.

Gerne würden wir den Lein möglichst in der ganzen Schweiz anbauen. Doch nicht selten scheitert dies daran, dass die regionalen Sammelstellen nicht für die Trocknung und Reinigung der Leinernte eingerichtet sind oder die Möglichkeiten zur Lagerung fehlen. Auch dieser Schritt in der Wertschöpfungskette bietet seine Herausforderungen.