Biohof Tempikon

Baldegg | LU

Mit Experimentierfreude und Sorgfalt zum blauen Wunder

Der Biohof Tempikon ist ein aussergewöhnlicher Ort: traumhaft die Lage am kleinen Baldeggersee, achtsam das Zusammenleben zwischen Menschen und Tieren, beeindruckend seine Vielseitigkeit in voralpiner Hügelzone. Für Biofarm hat Betriebsleiterin Jo Bucher zum ersten Mal Lein angebaut. Ihre Experimentierfreude und sorgfältige Arbeit haben sich gelohnt.   

 

Zur Biofarm war Jo Bucher bereits vor dem Leinprojekt gekommen, und zwar über das Obst der zahlreichen Hochstammbäume, die hier zwischen Erlosen und Lindenberg anmutig in der Landschaft stehen. Und auch zur Landwirtschaft führte ein Umweg. Nach dem Studium der Kunstgeschichte und der Geschlechterforschung hatte es Jo Bucher gepackt. Die landwirtschaftliche Ausbildung und ein Lehrjahr in Baselland im Rucksack, kam sie zurück auf den elterlichen Hof bei Baldegg und führt diesen seit 2013 als überzeugte Biolandwirtin mit ihrem Team. „Unsere Kühe bekommen nichts anderes als hofeigenes Futter, und eine Landwirtschaft mit grasfressenden Tieren macht in dieser hügeligen Gegend einfach Sinn“, sagt sie. Partnerin Angelika Göres ergänzt: „Wer Jo im Umgang mit den Kühen, Geissen und Pferden beobachtet, erkennt sofort, dass sie viel Gespür für Tiere hat.“

Was blüht so wunderbar?

Ackerbau ist zwar ein kleiner Betriebszweig auf diesem Hof, aber nicht weniger wichtig. Jo Bucher bezeichnet die halbe Hektare Land beim See als „unser Versuchsfeld“. Dort kommt die Freude am Experimentieren und tüchtiger Arbeit voll zum Tragen. Mit Leidenschaft sammelt die Betriebsleiterin neue Erfahrungen und weiss die „partnerschaftliche und spannende Zusammenarbeit“ mit der Biofarm umso mehr zu schätzen. Standortgerechter Anbau mit passendem Fruchtwechsel ist hier ein Muss: Nach dem Weizen im ersten Jahr konnte Dinkel geerntet werden. Im dritten Jahr war der Lein dran. Warum? „Für den Biolandbau trägt Lein zu einer vielfältigen Fruchtfolge bei, da er mit keiner Familie der anderen Kulturen verwandt ist. Er ist selten geworden in unserer Gegend und einfach schön“, sagt Jo Bucher. Über einen Monat stand denn auch im Juni das Leinfeld in betörend blauer Blüte, und mehr als einmal erkundigten sich neugierige Passanten auf dem Hof, was denn da so wunderbar blühe.

Damit es so weit kommen konnte, haben die Betriebsleiterin und ihre Auszubildende sorgfältige Vorarbeit geleistet. Sie hatten sich Mitte April viel Zeit für die Aussaat genommen, denn Leinsamen sind winzig klein. Auch die bei dieser Kultur unabdingbare Unkrautkontrolle bekamen sie in den Griff - durch gutes Vorbereiten mit Gründüngung und Pflügen des Feldes. „Man muss auch Glück haben“, räumt Jo Bucher ein, „denn kurz nach der Aussaat hat es geregnet, so dass der Lein schneller als für diese Kultur üblich aus dem Boden kam und trotz seiner langsamen Jugendentwicklung den Unkräutern davonwachsen konnte.“ Ein paar Adrenalinschübe gab es zum Zeitpunkt der Ernte: Nachdem mit dem Motormäher geschnitten wurde, musste der Lein einige Tage am Schwaden nachtrocknen und wurde erst dann gedroschen. Diese sogenannte „Schwaddrusch“ erleichtert die Mähdrescherarbeit. Eine Leinernte ist allgemein heikel, denn wer die Käpselchen nicht gut ausdrischt, muss mit hohen Verlusten rechnen.

Lein braucht eine lange Anbaupause, und so wird es ein paar Jährchen dauern, bis erneut ein wunderbares Blütenmeer dem See und dem Himmel bei Baldegg das Blau streitig machen wird. Das übriggebliebene Stroh übrigens erhielten die Freiberger Stuten Dunnja und Hailey als Futter und Einstreu. Auf dem Biohof Tempikon kommen die Tiere nie zu kurz.

 

Autorin: Sabine Lubow

 

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Jo Bucher (1980) und Angelika Göres (1976)
Kristin Metzner (1985) in Ausbildung zur Landwirtin
Eltern Hans (1943) und Margrit (1949) Bucher

Hofübernahme als Pacht: 2013
Umstellung auf Bio: 1996
 

 Landwirtschaftliche Nutzfläche: 13 ha
 ca. 150 Hochstammbäume 
 Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Kirschen 
 ca.17 behornte Milchkühe „Original Braune“
 eigene Aufzucht
 ca. 10 Geissen – Rassen bunt gemischt 
 mit eigener Milchverarbeitung
 2 Freiberger Pferde
 Ackerbau mit Lein (im Folgejahr Speisehafer) für Biofarm
 Biodiversitätsflächen mit vielen alten aufgewerteten Hecken

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