Familie Kai und Maja Tappolet

Wilchingen | SH

Biobauer mit Blick über die Grenzen

Der Weg zum Hof kann einen leicht aus dem Land hinausführen. Wo Kai Tappolet einen Teil seiner Felder für Biofarm bestellt, reimt sich deutsch-schweizerische Grenznachbarschaft mit Landwirtschaft. Das Schaffhauser Klettgau ist eine Kornkammer, und es ist auch für Linsen gut. 

Bis zu 400 Jahre alt sind einige der stattlichen Gebäulichkeiten des Biohofs an der Trasadingerstrasse in Wilchingen. Wo schon zu Postkutschenzeiten Pferde und Durchreisende zwischen Basel und Schaffhausen Rast fanden, haben Kai und Maja Tappolet das Zuhause ihrer Grossfamilie auch für modern Reisende zu einem Ort der Gastlichkeit gemacht. Und zu einem Ort, wo Unternehmergeist und Ideen aus jeder Ecke grüssen. Neben dem vielseitigen Biobetrieb mit Schwerpunkt Ackerbau bieten der gelernte Landmaschinenmechaniker und die ehemalige Sekundar- und Hauswirtschaftslehrerin einen Hofladen mit Backstube, Ferienwohnung sowie Bed&Breakfast-Zimmer an. Gemeinsam haben die beiden nach Übernahme des väterlichen Hofs den Kurs für die Umstellung und Zertifizierung nach Bio Suisse Richtlinien absolviert. Und gemeinsam haben sie hier, an der Grenze zu Deutschland, nicht nur ein Flair fürs Französische, sondern auch für Linsen.

Vom Vorteil, Kulturen zu mischen
«Linsen kann ich von der Aussaat auf dem Feld bis auf den Teller bringen», erklärt der Betriebsleiter, und seine Frau doppelt nach: «Bei Brot sind viele Arbeitsschritte nötig, während Linsen - einmal gereinigt - gleich in den Kochtopf kommen.» Mit ihrer Pasta an Linsen-Sauce hat Maja Tappolet bei den sieben Kindern am meisten Erfolg. Die Besucherin überzeugt sie auf Anhieb mit einer Kostprobe vom frisch zubereiteten Linsensalat. Regional und saisonal Genussvolles für einen gelungenen Aperitif ist bei der Initiantin und Koordinatorin des Landfrauen-Apéro-Service eben auch Programm.

Als die Forschungsanstalt Agroscope vor einigen Jahren die nahezu verschwundene Linse auf die Schweizer Äcker zurückbringen wollte, bot der Tüftler Kai Tappolet gerne Hand an. Diese Hülsenfrucht stand bereits auf seiner mit Bedacht für geeignete Kulturen erstellten Liste. Erfahrung mit Anbauversuchen für Saatgetreide hatte er bereits. So kamen auf einem Testfeld die Linsen der französischen Sorte Anicia in die Erde - zusammen mit diversen Mischungspartnern. Einer von Tappolets Favoriten ist Leindotter. Denn die Mischkultur mit dieser Ölpflanze bietet einige Vorteile: Leindottersamen laufen schneller auf. Sie unterdrücken einerseits das Unkraut, andererseits wirken ihre Stängel als Stütze für die Linsen, die gerne am Boden entlangwachsen. Das erleichtert später auch die Ernte mit dem Mähdrescher.

Grüne und Schwarze aus dem Grenzland
Heute baut Kai Tappolet auf 6 Hektaren Linsen an: die grüne Anicia und die schwarze Beluga - jeweils mit Leindotter und neu auch mit Erbsen. «Nach der Aussaat ist eine zweiwöchige Schönwetterperiode geeignet», erklärt er, «denn bei uns ist der Boden sandig-lehmig und verschlämmt gern.» In der Regel fährt der Landwirt mit seiner Sämaschine und dem Erbsen-Linsen-Leindotter-Gemisch Ende März über den Acker. Fallen Blattrandkäfer, Erdflöhe und Schnecken nicht über die Kulturen her, und spielt das Wetter bis zur Ernte im August einigermassen mit, bringt er durchschnittlich 800 Kilo pro Hektare auf die Waage. Rückblickend lobt er den fruchtbaren Austausch mit Vertretern aus Forschung und Fachwelt. Und mit Biofarm: «Das sind Menschen, die an Tagungen über den Anbau und auch in der Vermarktung vorne stehen, und dieser persönliche Kontakt ist wichtig für mich.» Der Klettgauer blickt zudem immer wieder über den Schweizer Tellerrand hinaus. Seine Linsen vom Grenzland sind wohl auch deshalb ein umsichtig gewachsener Erfolg. 



Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick


Biohof Familie Tappolet 
Kai (1970) und Maja (1970) Tappolet
mit Laurent, Jeannine, Carole, Sandrine, Thierry, Maurice und Cédric


Hofübernahme: 2000
Umstellung auf Bio: 2003

Landwirtschaftliche Nutzfläche: 45 ha
Ackerkulturen: Linsen in Mischkultur mit Leindotter und Erbsen, Hirse und 
Sonnenblumen (für Biofarm), Saatgutproduktion: Weizen, Dinkel, Lein, Klee;
Emmer, Soja, Mais; Natur- und Kunstwiese; Reben und Wald;
Tiere: 15 Mutterkühe, zwei Schweine, einige Hühner 
Hofladen; Ferienwohnung und B&B


Webseite: 
www.tappolet-biohof.ch


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