Familie René und Michèle Stalder

Vandoeuvres | GE

Neues ausprobieren und langfristig denken

Durch das grosse Scheunentor grüsst «Seine Hoheit» in weisser Robe. Gehöft und Felder von Familie Stalder liegen vor der eindrücklichen Kulisse des Mont Blanc. Nach dem höchsten Berg Europas strecken sich an diesem Sommermorgen in Vandoeuvres auch andere Köpfe: Wir stehen am blühenden Feld, das René Stalder für Biofarm mit Sonnenblumen angebaut hat.

Ein Kilometer ist es bis zur Landesgrenze. Rund 40% der Gesamtfläche des kleinen Vandoeuvres bei Genf dienen der Landwirtschaft. In der viertreichsten Gemeinde der Schweiz ist Land teuer und rar. Hier bewirtschaften René und Michèle Stalder seit 1994 ihren Vieh- und Ackerbaubetrieb. Als erster Präsident von «Bio Genève» gehört der Biobauer zum Schlag derjenigen, die sich mit einer tüchtigen Portion Idealismus und Geduld zu einer Landwirtschaft der lokalen und regionalen Bedürfnisse bekennen. Ursprünglich hatte der Romand mit Emmentaler Wurzeln den Beruf des Wirtschaftsbuchhalters erlernt. Seine Frau Michèle aus dem Kanton Fribourg ist ausgebildete Apothekenhelferin. Heute sind sie mit Leidenschaft als Biobauernfamilie engagiert. Als sich die Frage nach der Übernahme des 1920 vom Berner Grossvater gegründeten Hofes stellte, zögerte René Stalder nicht lang: «Ich war neugierig, offen für eine Veränderung, und ich wollte den Boden erhalten», sagt er. Mit derselben Neugierde und Offenheit entschied er sich später zum Ausstieg aus der konventionellen Landwirtschaft: «Die Natur, die Erde, ist unser Leben und unser Kapital, deshalb müssen wir langfristig denken.»

 

Mit dem Falkner gegen die Körnerdiebe
Für Familie Stalder sind geschlossene Kreisläufe wichtig. Mist von ihren Kühen und Hühnern und der Kompost von Garten und Äckern tragen auf der vielseitigen «Ferme» zu gesundem, fruchtbarem Boden bei. Mit den Heigh-Oleic-Sonnenblumen, die auf 4 Hektaren für Biofarm und ein ausgezeichnetes, kaltgepresstes sowie nicht raffiniertes Öl gedeihen, hat René Stalder vor einigen Jahren Neues ausprobiert. Die Kultur mag das warme Klima der Romandie und lockere Böden, und der Bauer die faire Zusammenarbeit mit der kleinbäuerlichen Genossenschaft. «Es ist eine gute Rotationskultur, doch sie erfordert neben dem Unkraut einiges an Aufmerksamkeit», erklärt er. In der Tat machen sich nach der Aussaat, ab Anfang April, die Tauben und die Krähen nur zu gern am unbehandelten Biosaatgut zu schaffen. Später schmecken die jungen Pflänzchen den Schnecken und anderen Parasiten besonders. Sind dann die Blüten im Sommer prächtig und prallvoll mit Körnern, kehren die geflügelten Felddiebe in Scharen zurück. René Stalder hat schon einiges ausprobiert: «Weder Vogelscheuchen noch Ballone nützen, denn das funktioniert vielleicht zwei Tage, dann haben die Tiere den Trick begriffen.» Um den hohen Ernteverlusten Abhilfe zu schaffen, lässt er den Falkner kommen, den der Kanton für die Genfer Landwirte engagiert. Mit seinen Bussarden schlägt dieser auch die aggressivsten und hartnäckigsten Körnerdiebe in die Flucht.

 

Den technologischen Fortschritt nutzen
Beugen sich die Blütenköpfe mit ihrer Körnerlast und sind die meisten Blätter abgestorben, ist Zeit für die Ernte. In Vandoeuvres findet sie je nach Wetter meist gegen Ende Oktober statt. Dazu benützt René Stalder modernste Maschinen, in die er als begeisterter Beobachter technologischer Fortschritte im Biolandbau mit seinem Bionachbarn gemeinsam investiert. Durchschnittlich fährt er zwei bis zweieinhalb Tonnen pro Jahr für Biofarm zur lokalen Sammelstelle von Jussy, wo das Erntegut getrocknet und für die Verarbeitung in der Mühle vorbereitet wird.

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Ferme Stalder

René (1964) und Michèle (1960) Stalder mit:
Coralie und Sébastien

Übernahme des vom Grossvater gegründeten Hofes: 1994
Umstellung auf Bio-Knospe: 2008

 

Landwirtschaftliche Nutzfläche 40 ha

Ackerkulturen: HO-Öl-Sonnenblumen, Linsen/Leindotter,
Mais, Weizen, Futterweizen; Natur- und Kunstwiese;
Ökoflächen;

 

Tiere: 30 Mastrinder für Bio-Weide-Beef,
300 Legehennen für Direktvermarktung, 3 Pferde

 
Hofladen  

IMPRESSIONEN

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