Familie Rolf und Sonia Schweizer

Peyres-Possens | VD

Sorge tragen zum Leben

Fast wie eine Arche Noah steht sie da, die «Ferme» von Familie Schweizer. Auf der Anhöhe von Peyres-Possens, am Waadtländer Getreideweg, lebt eine beeindruckende Grossfamilie. Rundum: sanftes, weites Hügelland und mitten drin der Biofarm-Buchweizen von Rolf Schweizer. In seinem Blütenmeer summen die Bienen um die Wette.

   

Crèpes und Galettes scheinen den Romands zu schmecken wie den Bretonen. Jedenfalls ist der auch dafür angebaute Buchweizen in der Westschweiz besser vertreten als anderswo im Land. Rolf Schweizer kultiviert ihn seit 2013 im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit Biofarm und der Mühle Rytz in Biberen BE. Damit haben sich alle drei die Entwicklung wertvoller alter Kulturen auf die Fahne geschrieben. «Die Marktbeobachtung von Biofarm ist vorbildlich und sehr wichtig für uns Biobauern. Wir müssen über das Jahr der Aussaat hinausschauen», fasst Rolf Schweizer seine Erfahrungen mit der kleinbäuerlichen Genossenschaft zusammen. Er schätzt ausserdem den Austausch mit anderen Biobauern, denn «es gibt immer solche, des es besser machen».
  

Viele Vorteile für den Biolandbau
Die relativ anspruchslose Buchweizenkultur sorgt in der typischen Ackerbauregion Waadtland für gute Auflockerung in der Fruchtfolge. Doch die ersten beiden Wetterjahre hatten es Rolf Schweizer nicht gerade leichtgemacht. Entweder war es zu trocken oder zu nass. «Buchweizen ist frostempfindlich, und mit der Aussaat dürfen wir hier auf über 700 M.ü.M. nicht zu früh beginnen», sagt er. Der Regionalleiter der Westschweizer Kontrollstelle von Bioinspecta ist auch ein erfahrener Ackerbauer. Und er probiert gern Neues aus. Nach einem langen, feuchtkalten Frühling nahm er gegen Ende Juni einen dritten Anlauf für den Buchweizen. Er säte ihn, der ausser seinem Namen nichts mit Getreide zu tun hat, einen ganzen Monat später als üblich. Überzeugt von seinen vielen Vorteilen im Biolandbau, stellt er fest: «Buchweizen unterdrückt das Unkraut gut, er braucht das Land nicht lang, hat aber trotzdem eine lange Blütezeit, was in unserer Agrarlandschaft vielen Insekten auch dann noch Nahrung bietet, wenn sie anderswo nichts mehr finden.»
  

Vom Zusammenleben der Kulturen
Später gesät, später geerntet: Im Oktober erst kommt der Schwadmäher für die heikle Ernte auf den Acker nach Peyres-Possens. Nur ein einziges Exemplar gibt es in der Schweiz - im Waadtland eben - von dieser seltenen «Faucheuse-Andaineuse» made in France. Kein Wunder: Über den eigenen Tellerrand zu blicken, ist in dieser Gegend nichts Aussergewöhnliches. Das Pachtland, auf dem schon die Eltern Schweizer anbauten, gehört der seit 1889 existierenden Ziegelei Morandi Frères SA, heute im Besitz der Gruppe Gasser Ceramic. Und Rolf Schweizer, der zwischen perfektem Schweizerdeutsch und Französisch schneller wechselt als ein Augenzwinker, erlebt täglich hautnah, was Internationalität und Zusammenleben verschiedener Kulturen heissen kann. «Unser Bauernhof ist ein idealer Ort für eine Pflegefamilie», sagte er sich vor einigen Jahren gemeinsam mit seiner Frau Sonia, Krankenpflegerin und Herboristin, und ihren fünf Kindern. Seither haben aus insgesamt 15 verschiedenen Nationen Pflegekinder in Familie Schweizers Arche Noah ein vorübergehendes Zuhause gefunden. «Wir sind eine Familie», erklärt der Meisterlandwirt, der in Zürich zudem eine Ausbildung als qualifizierter Pflegevater absolvierte. «Gerade auch mit Tieren lernen Kinder, die selbst vernachlässigt wurden, was es heisst, Verantwortung zu übernehmen. Sorge tragen zum Leben, das ist uns wichtig».

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

Biohof Familie Schweizer
Rolf (1962) und Sonia (1967) Schweizer mit:
Sarah, Nathan, Jonas, Benjamin, Théo und
Pflegekindern seit 2000
 

Übernahme des Pachthofes von den Eltern: 1995
Umstellung auf Bio-Knospe: 2011
  

Landwirtschaftliche Nutzfläche: 40 ha
Ackerkulturen auf 20 ha mit: Mais und Lein, Hirse sowie Buchweizen (für Biofarm);
Ökofläche auf 13 ha sowie Naturwiese; Kunstwiese auf 4 ha;
Kräuter für Selbstvermarktung
8 Mutterkühe
80 Schafe «Supermischung», darunter ProSpezieRara, Oxford usw.
4 Freiberger, 4 Geissen (Col roux du Valais),
Schweinchen, Gänse, Hühner, Goldfasane, Hasenfamilie und Kaninchenzucht

 

IMPRESSIONEN

  • Schweizer_4
  • Schweizer_3
  • Schweizer_2
  • Schweizer_1
  • Schweizer_5