Familie Markus und Claudia Schwegler Meierhans
Richenthal | LU

«Der Hof hat uns gesucht und gefunden»

«Man kann alles machen auf dem Allerweltsboden hier oben zwischen Jura und Alpen», sagt Markus Schwegler. Kein Wunder, besorgt der Biolandwirt neben dem Dinkelfeld für Biofarm so manch anderes. Mit seiner Frau Claudia Meierhans steht er in Richenthal für Kulturen der besonderer Art.

Die schmale Strasse zum Katzhof windet sich vorbei an Weiden und Ackerland, Hecken und Waldflecken immer weiter hinauf grad wie im Bilderbuch. Bis hierher, in den Nordwesten des Kantons Luzern, streckt der Napf seine Hügelkette aus. Sie bietet den sandig-lehmigen «Allerweltsboden», der für den ehemaligen Stadt-Luzerner Markus Schwegler zur Heimat und zur Lebensgrundlage wurde. Er bearbeitet die Erde seiner Äcker, Kunstwiesen und Gemüsefelder mit dem Geohobel. «Während ein normaler Pflug bis zu 25 cm in den Boden greift, ist die Bearbeitung mit dieser Maschine auf eine Tiefe von nur 3 bis 6 cm wesentlich schonender, verringert die Bodenerosion, steigert die Boden- und die Pflanzengesundheit und ermöglicht eine flexiblere Planung der Gründüngung», hält er fest. Der früher grünlandbetonte und konventionell bearbeitete Boden musste sich an die Umstellung zuerst gewöhnen. Heute muss der Biobauer bereits deutlich weniger Blacken aus dem Boden stechen.
 

Nie ans Bauern gedacht
Sei Dinkelfeld bestellt Markus Schwegler im Herbst. Er sät die Sorte «Titan» von der biodynamischen Getreidezüchtung Peter Kunz im Kanton Zürich. Damit ist er sehr zufrieden: «’Titan’ läuft gut auf, ist robust und bewahrt auch bei viel Wind seine Standfestigkeit». Diese Dinkelsorte sei ernährungsphysiologisch ganz nah bei den Ursorten, betont er. Ihn freut zudem besonders, dass als Zuchtgrundlage eine alte Landsorte aus Willisau dient, nur vier Dörfer weiter weg. Die Verbundenheit dieses Landwirts mit der Richenthaler Scholle ist umso erstaunlicher, als er auf dem zweiten Berufsweg zum Katzhof fand… Keines der fünf Kinder seiner Schwiegereltern Vreni und Toni Meierhans wollten den Betrieb übernehmen. Weder Tochter Claudia noch ihr Freund Markus Schwegler hatten je zuvor ans Bauern gedacht. «Nach zwölf Jahren in der Sozialarbeit war ich an einem Punkt angelangt, wo ich Veränderung wünschte. Da kam plötzlich dieser Funke mit einer Option – entweder wir machen es, oder ich bin ruhig.» Vor der grossen Frage entschieden sich die Geografin und der Arbeitsagoge in einem ersten Schritt zu einem landwirtschaftlichen Nebenerwerbskurs. Der Veränderungsprozess nahm Fahrt auf. Nach einem Jahr startete Markus Schwegler in eine vierjährige biodynamische Ausbildung als Landwirt. «Der Hof hat uns gesucht und gefunden», das wissen heute Beide.

 

Der Wert der Lebensmittel
Mit der Hofübernahme entschied sich das Paar zur Umstellung auf Biolandbau und gründete den Verein «Solavie», basierend auf der Idee der Solidarischen Landwirtschaft. Markus Schwegler erklärt: «Dem liegen Wertfragen zugrunde, die über die Jahre bei uns gewachsen sind. Bei Claudia über das Studium und die Arbeit als Geografin, bei mir über den Job mit Menschen im sozialen Bereich.» Heute packen in dem vielseitigen Gemeinschaftsgarten an die 40 Mitglieder und Gemüsekorb-Abonnenten beim Säen, Pflanzen, Jäten und Ernten an. Sie schätzen es, so den Wert der Lebensmittel auf ursprüngliche Art und Weise zu erleben. Claudia Meierhans, Bäuerin im Nebenerwerb, sorgt neben ihrer Arbeit als Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Zug für die Jahres- und Arbeitsplanung dieses solidarischen Gartens. Ihr Mann achtet darauf, dass dieser besondere Ort für Menschen und Tiere im Kreislauf mit der Natur im Gleichgewicht pendelt. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass der Drescher aus dem Nachbardorf rechtzeitig kommt, um den Dinkel zu ernten und ihn für Biofarm in die Sammelstelle nach Melchnau zu bringen. «Die sehr angenehme Zusammenarbeit mit der Genossenschaft beruht auf gegenseitigem Vertrauen und schon fast familiären Kontakten», so Markus Schwegler. Wer dort oben auf dem Katzhof schon Landluft und den «Allerweltsboden» schnuppern konnte, den wundert’s kaum.

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick


  
NaturGut Katzhof

  
Markus (1979) und Claudia (1978)
Schwegler Meierhans mit Mael und Anna,
Grosseltern Vreni und Toni Meierhans

Betriebsübernahme: 2015
Umstellung auf Bio-Knospe: 2015

 

Landwirtschaftliche Nutzfläche 15 ha
Ackerbau: Dinkel, Hirse, Einkorn, Hafer

Kunstwiesen und Wald
80 Hochstammobstbäume: Äpfel, Kirschen, Zwetschgen,
Birnen, Baumnüsse, Edelkastanien

Tiere: 8 Mutterkühe, 1 Stier (Rätisches Grauvieh), Katzen
8 Bienenvölker, betreut von Imker Walti Mangold
Gemeinschaftsgarten: 0,5 ha
Heimlieferung von Obst und Gemüse, Verein Solavie
 

 
www.katzhof.ch

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