Familie Erwin Oberholzer

Oltingen | BL

Wo auch der Samichlaus die Nüsse holt    

Ein goldener Herbsttag in Goldingen SG: Erwin Oberholzers Bäume setzen da und dort Farbtupfer in das kleine Tal mit Sicht auf einen Zipfel Zürichsee. Höchste Zeit, das Heu auf der Wiese vor dem Hof einzubringen. Die Baumnussernte für Biofarm sorgt dieses Jahr für etwas weniger Arbeit.

An die 270 Kilo Baumnüsse tragen die Bäume vom Hubertingerhof in guten Jahren. Das älteste Exemplar dieses St. Galler Biobetriebs an der Grenze zum Kanton Zürich zählt über 120 Jahre. Seit einigen Jahren wachsen hier Tafel- und Verarbeitungsnüsse für Biofarm. Über 20 Schweizer Biobauernfamilien liefern ihre Ernte regelmässig an die Genossenschaft. «Es sind jedes Jahr immer wieder sehr unterschiedliche Mengen, denn Nussbaumblüten sind gar frostempfindlich», erklärt Hans-Ruedi Schmutz, Leiter Obstcenter. Erwin Oberholzers Bäume stehen auf 650 m.ü.M., und der Ertrag fällt diesmal spärlich aus. Seit ein paar Jahren spielt das Wetter seine Streiche. «Noch nie habe ich Ende März das Vieh so früh auf die Weide lassen können wie im 2017und noch nie so spät auf die Hochweide», stellt er fest. Den schon fast sommerlichen Temperaturen im März war ein umso heftigerer Kälteeinbruch gefolgt. Erst nach Mitte Mai konnte Erwin Oberholzer seine Herde - eine prächtige, robuste Mischung aus Galloway-Angus-Kühen - auf den fast 400 Meter höher gelegenen «Chrinnen» hinaufbringen. Ihre Sommerweide mit frischem Gras, Kräutern und Blumen oberhalb von Goldingen lag lange noch im Winterschlaf. Die erfrorenen Nussbaumblüten aber konnte auch der schönste Sommer nicht mehr retten.
 

Vielseitigkeit gefragt
Erwin Oberholzer ist kein Jammerer. Vielseitigkeit ist ihm wichtig - auf dem Betrieb wie in der Natur. Er ist Realist und weiss, dass seine Kühe und die Vermarktung von deren Fleisch ein wichtiges Standbein bleiben. Daneben pflegen er und sein Vater zahlreiche Obstbäume. Den Baumnüssen wird der Goldinger trotz unregelmässiger Ernteerfolge weiterhin eine Chance geben: mit dem Erhalt des alten Baumbestands und neu gesetzten Bäumen. Biofarm unterstützt ihn dabei: «Die Zusammenarbeit zwischen uns ist unkompliziert, ich kann einfach anrufen, und es klappt», so seine Erfahrungen. Nach der Ausbildung an der landwirtschaftlichen Winterschule in Pfäffikon SZ war Erwin Oberholzer mit seiner Familie in den vom Vater erstandenen Hubertingerhof gezogen. Mit der Betriebsübernahme standen zahlreiche Erneuerungs- und Veränderungsarbeiten und ein grosser Umbau des renovationsbedürftigen «Heimet» an. In der Folge entschlossen sich die Oberholzers zum Biolandbau. «Dass die mit Saugülle besprühten Wiesen zum Beispiel Antibiotika-Rückstände im Gras aufweisen, muss einem schon zu denken geben», erklärt er unter anderem die Umstellung. «Erwin ist Bauer mit Leidenschaft», ergänzt seine heutige Lebensgefährtin Esther Schai. Der natur- und tierliebenden Zürcherin ist nicht nur der gepflegte Vorgarten zu verdanken. In das denkmalgeschützte Haus hat sie mit viel Geschick eine heimelige Atmosphäre gezaubert. 
 

Stall und Felder ganz nah
Mit seinen 88 Jahren ist auch Vater Thomas Oberholzer auf dem Hof stets voll dabei. Früher hatte er im Dorf einen Kleinbetrieb bewirtschaftet, auswärts gearbeitet, sich sehr für Gemeinde und Vereine engagiert. Etwas verschmitzt hört er zu, wie der Sohn über die Selbstständigkeit spricht, die ihm seine Arbeit mit der Natur gibt - froh darüber, nicht wie andere Bauern kilometerweit fahren zu müssen, weil die Felder weitab vom Hof liegen. Der Vater erinnert sich: Seine verstorbene Hildi verwendete für ihre feinen «Birewegge» die Baumnüsse, und der Samichlaus holte gerne welche, bevor er bei den Goldinger Kindern die Runde drehte. «Die Eichhörnchen und die Krähen holen sie auch», sagt er lachend, «lassen sie zum Öffnen fallen, und sie rollen die Strasse hinunter.» Rasch steht er auf. Vor dem Haus auf der Wiese wartet das Heu. Es gibt zu tun, bevor der Regen kommt.

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Biohof Hubertingerhof

Erwin Oberholzer (1964) und Esther Schai (1965)
Raphael, David, Franziska; Vater Thomas Oberholzer (1929)

Hofübernahme: 1993
Umstellung auf Bio-Knospe 1996
 

Landwirtschaftliche Nutzfläche 27 ha
110 Hochstamm-Obstbäme (Birnen und Äpfel)
10 Nussbäume
 
Naturwiesen, Magerweiden  
Moor mit Biotop;
 
80 Galloway-Angus-Rinder (Bio-Weide-Beef)
 
Pensionspferdeplätze  

 

IMPRESSIONEN

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