Familie Marianne Moos

Beinwil | AG

„Alte, unverfälschte Kulturen faszinieren mich“

Wie ein langes, wogendes Laken liegt ihr Emmerfeld in der luftigen Landschaft. Den Horizont  dahinter bestimmt der Lindenberg. Die Ablagerungen dieses markanten Hügelzugs im aargauischen Freiamt stammen vom eiszeitlichen Reussgletscher. Nicht ganz so alt - aber auch sehr alt - ist die Geschichte des Bauerns in der Familie von Marianne Moos.   

 

Während Marianne Moos die Reife des Emmers für die Biofarm prüft, erklärt sie: „Unser schwerer, lehmig-toniger Boden eignet sich gut für dieses Getreide. Man muss herausfinden, was hier passt, und mich faszinieren alte, unverfälschte Kulturen.“ Wer die Biobäuerin auf dem 1,3 ha grossen Emmer-Feld kennenlernt, wie sie mit Wissen und Erfahrung über die Bodenbeschaffenheit, das Pflügen, Säen, Striegeln und die Fruchtfolgen auf ihren Äckern zu berichten weiss, kann kaum glauben, dass sie sich einst für den Kindergärtnerinnenberuf entschieden und diesen mit Begeisterung ausgeübt hatte. Der plötzliche Tod des Vaters war für sie wie ein Ruf. Ihre vier Brüder und die Schwester konnten damals nicht einspringen. Da sie schon immer gerne mitgeholfen hatte, fasste sie den mutigen Entscheid und übernahm den Betrieb. „Im ersten Jahr stand ich auf den bereits gesäten Feldern und wusste manchmal gar nicht, was es als Nächstes zu tun gab“, erinnert sie sich. 25 Jahre später blickt sie mit dem Selbstverständnis einer gestandenen Betriebsleiterin über die Hügellandschaft zum Weiler, wo Hof und Stallungen sanft zwischen alten Hochstammbäumen liegen. 1986 war sie, damals noch Kindergärtnerin, mit ihrem Mann Josef, der bis zu seiner Pensionierung als Ingenieur in Zug arbeitete, in ein neues Haus gezogen – in unmittelbarer Nachbarschaft zum alten Hof, der seit 1750 im Besitz der Familie Sachs steht.

Nachdem zwischenzeitlich das in die Jahre gekommene traditionelle Bauernhaus unzähligen Familien, Kindern und Jugendlichen als geschätzte Unterkunft für Ferien auf dem Bauernhof gedient hat, wird es nun wieder seiner ursprünglichen Funktion zugeführt: Michael, der zweitjüngste Sohn der vier Moos-Kinder, wird es ab Januar 2016 zusammen mit seiner Freundin Lea übernehmen. Und gleichzeitig auch den Hof. Der junge Informatiker will sein Arbeitspensum in Zürich etwas reduzieren und in einem ersten Schritt den Hof von der Mutter pachten. „Michael hat stets mitgeholfen, und er ist zusammen mit meinem Mann immer wieder als perfekte ‚Blacken AG‘ im Einsatz“,  scherzt  die Mutter. Die fast unverwüstlichen Blacken mit ihren unendlich langen Wurzeln in den Griff zu bekommen, ist eine echte …Plackerei und vor allem im Biolandbau harte Knochenarbeit. Aber nicht nur die Blacken.

Marianne Moos hat 2000 auf Bio umgestellt; es sei schon immer ihr Ziel gewesen und entspreche ihrer Lebensphilosophie. Mit dieser Einstellung hat sie als junge Frau und Familienmutter die riesige Herausforderung der Hofübernahme gemeistert und später auch noch ihren ehemaligen Beruf zum Hobby gemacht: als Initiantin und treibende Kraft hinter dem inzwischen so erfolgreichen „Kinderweg“, einem Projekt der Vereinigung „Erlebnis Freiamt“. Damit Kinder wieder mit einfachen Dingen spielen und mit der Natur in Berührung kommen können, sagt sie – bescheiden sympathisch und mit diesem für sie so typischen Selbstverständnis.

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Marianne (1950) und Josef (1947) Moos
mit Michael (1980), Tobias 1976, Daniela (1978), David (1982)

Bio-Knospe seit 2000
Hofübernahme: 1990

 
  


 Betriebsfläche:  18 ha   (2.5 ha Wald) 550 m ü.M.   
 Emmer (Anbau für Biofarm)  1.3 ha
 Dinkel (Anbau für Biofarm)          1.4 ha
 Körnermais  1.3 ha
 Klee/Kunstwiese  3.6 ha
 Triticale 0.7 ha
 Naturwiese   8.0 ha
 Oekoflächen  1.7 ha
 Hochstammobstbäume  40
 Burengeissen
 (Verkauf von Gitzifleisch ab Hof)
30

 Gemüsegarten 
 („fürs Gemüt“)

               

Links
Hof Moos: www.hofmoos.ch/gitzifleisch.pdf
Kinderweg „Erlebnis Freiamt“: www.freiamt.ch


(„fürs Gemüt“)

IMPRESSIONEN

  • Moos_6
  • Moos_5
  • Moos_3
  • Moos_4
  • Moos_2
  • Moos_1