Familie Hanspeter und Edith Marbot

Illiswil | BE

Ein Getreide des Lichts

«Die schönsten Äpfel stammen aus Illiswil», wirbt ein bekannter Bioladen Berns. Edith und Hanspeter Marbot sind geschätzt für ihr Obst von Spindelbusch- und Hochstammbäumen. Hoch steht auch ihr Roggen für die Biofarm und schimmert blaugrün mit der Landschaft um die Wette.

Der Sommerwind rupft an der Wäscheleine. Es flattern Hemden, Tücher und Hosen beim Eingang zum Obstgarten. Das könnten Willkommensfahnen sein. Was bei der Bauernfamilie am Mösliweg in Illiswil Tradition hat, ist kaum zu übersehen. «Schon mein Vater hat gerne mit Obst gehandelt, die Umgebung beliefert, und meine Grossmutter war bis zu ihrem 88. Altersjahr Märitfahrerin auf dem Bundesplatz», erzählt Hanspeter Marbot. Seit 1924 ist der Hof in Familienbesitz. Bereits vor der Übernahme des Betriebs durch die Nachfolge-Generation, hatten Hansruedi und Vreni Marbot auf Rat der Jüngeren auf Bio umgestellt. 1989 waren Hanspeter und Edith - damals noch mit Bruder Andreas und dessen Frau zusammen - die einzigen von sieben Betrieben im Dorf, die den ökologischen Weg wählten.

Von Pionieren hüben und drüben
Ihr Entscheid sollte etwas später während eines Amerika-Aufenthaltes bekräftigt werden. Hanspeter und Edith Marbot lernten 1991 auf einem Demeter-Hof in Wisconsin «echte Pioniere» kennen. «Menschen, die mutig und unabhängig aus innerer Überzeugung heraus einfach verrückte Dinge ausprobierten, obwohl für Bioprodukte gar kein Markt vorhanden war», fasst es Edith zusammen.
2001 konnte das junge Paar, inzwischen Eltern von vier Kindern, den bis anhin von Hanspeters Eltern gepachteten Hof käuflich erwerben. Der diplomierte Meisterlandwirt und die gelernte Floristin und Bäuerin hatten bei der Hofübernahme bereits den arbeitsintensiven Obstbau sowie die Einlagerung weitergeführt, räumten aber auch dem Ackerbau und der Viehwirtschaft Platz ein. Der erste Bioroggen gedieh noch ein Jahr vor ihrer Amerikareise. Gleichzeitig mit dieser Kultur begann auch ihre Mitgliedschaft bei Biofarm. «Seither ist die Zusammenarbeit ‘eins a’, wir sind extrem dankbar für diesen sicheren Partner», so Hanspeter Marbot.

 «Es muss stäuben»
Im September/Oktober sät er den Roggen aus: «Man muss den richtigen Moment finden, die Saat in ein gut abgetrocknetes Saatbeet ausbringen, es muss stäuben, sonst läuft der Roggen schlecht und unregelmässig auf», betont er. Für ihn hat dieses alte und robuste Brotgetreide viele Vorteile: «Roggen ist genügsam und auf allen unseren Böden geeignet; nur Vernässung und Schatten, das mag er nicht.» In der Fruchtfolge kommt dieses Korn beim Illiswiler Biolandwirt direkt nach dem Weizen in den Boden, und zwar in einer Mulchsaat. Bei diesem Verfahren fährt kein Pflug über den Acker, so dass die Pflanzenreste des Weizens die Bodenoberfläche bedecken und diese vor Bodenerosion und Verschlämmung schützen können. Im Juli ist Erntezeit. Hanspeter Marbots 2,4 ha grosser Acker auf der «Niedermatt», etwas oberhalb des Hofes, ergibt durchschnittlich zwischen 45 bis 50 kg Roggen. Die Sammelstelle von Schüpfen liegt ganz in der Nähe. Sie nimmt seine Ernte entgegen und trocknet sie falls nötig.
Geigenbauerin, Schreinerin, Musiklehrer und Metallbauer für Schmiedearbeiten: Diese Berufe hat die nachfolgende Generation gewählt. «Kinder sollen selbst lernen, und sie finden ihren Weg», sagen die Eltern mit Zuversicht in Gedanken darum, wie es mit ihrem Betrieb einmal weitergehen wird. Im Obstgarten am Mösliweg wachsen derweil vier besondere Bäume. Bei jeder Geburt kam einer hinzu.

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

Biohof am Mösliweg

Hanspeter (1967) und Edith (1970) Marbot
mit Matthias, Simona, Valentin, Lorena

Hofübernahme von Hansruedi und Vreni Marbot: 1995
Umstellung auf Bio: 1989

Landwirtschaftliche Nutzfläche 16 ha 

Ackerkulturen: Roggen, Weizen; Kunstwiese mit
Berner Mattenklee, Weiden und Ökoflächen

 

93 Hochstammbäume: Äpfel, Birnen, Pflaumen,
Zwetschgen, Reine Claude Obstplantage
mit 3'600 Spindelbuschbäumen

 

Diverse Beerensorten

 

Tiere: 10 Hühner, zwei Pferde, Hund,
Meersäuli, Küngel und Katzen


Mutterkuh-Haltung mit 12 Kühen,
28 Masttiere und Jungvieh, 6 Geissen,
1 Hund, 4 Katzen

 

IMPRESSIONEN

  • Ein Dutzend Mutterkühe bereichern die Vielfalt auf dem Biohof in Illiswil.
  • Hochstammobst - darunter seltene, feine Apfelsorten - hat bei Familie Marbot Tradition.
  • Neben dem Stöckli stapeln sich die Lagerharassen für das Obst bis unters Scheunendach.
  • Hohe Halme und blaugrüne Farbe – die unverkennbaren Merkmale eines Roggenfelds.
  • Hofhündin Mila ist treue Begleiterin von Vreni und Hansruedi Marbot.