Raps – Königskultur, geliebt von vielen…

Er ist anspruchsvoll und risikoreich im Anbau und gilt deshalb als „Königsdisziplin“ bei Bioackerbauern. Raps macht die Unterschiede zwischen Biolandbau und konventioneller Landwirtschaft besonders deutlich: Im konventionellen Anbau kommt eine ganze Palette von Pestiziden und Kunstdüngern zum Einsatz, bei Biobauern nichts davon. Entsprechend deutlich geringer sind die Bio-Erträge, manchmal nur ein Drittel wie bei konventionellem Anbau. Letzterer verwendet heute zudem nur noch Hybridsorten, an deren Vermehrung für Bioraps nicht zu denken ist.

Nicht nur Menschen, ganz viele Tierchen lieben Raps: Erdflöhe und Schnecken fallen im Herbst  über die frischen Pflänzchen her. Mäuse knabbern im Winter nur zu gern die Wurzeln mit der kräftigenden Nahrung an. Kaum kommt der Februar, machen sich die Stängelrüssler auf, ihre Eier in die Halme zu legen. Und wird es im März etwas wärmer, fressen die Rapsglanzkäfer Löcher in die geschlossenen Knospen und freuen sich mordsmässig an den Pollen. Adieu, gelbes Blütenmeer! Und damit nicht genug: Hat der Raps diese Gefahren einigermassen überstanden, bieten seine reifenden Schoten den Brutplatz für den Nachwuchs von Kohlschotenrüsslern und -mücken.

 

Auch im Einsatz gegen Unkräuter hat die Chemiespritze nichts zu suchen. Gute Bodenvorbereitung und -bearbeitung sind deshalb besonders wichtig: Raps braucht ein feines und sauberes Saatbett, reagiert aber empfindlich, wenn der Boden zu feucht bearbeitet wurde und dann Verdichtungen aufweist. In diesem Fall werden die Wurzeln „beinig“ und die Pflanzen kümmerlich. Dem Unkraut mit Untersaaten wie Bockshornklee, Platterbsen, Linsen oder Ackerbohnen die Stirn zu bieten, kann zweckdienlich sein. Die Untersaaten frieren im Winter ab und lassen im Frühling nötigen Freiraum zur Entfaltung des Rapses. Diesen Platz braucht er wie auch die nötige Nahrung in Form von Mist oder Kompost und Gülle. Je kräftiger, desto besser kann der Raps nicht nur die Schäden kompensieren, welche oben erwähnte Insekten verursacht haben, sondern desto mehr Ertrag in Form von Körnern bildet er auch.

Sortenversuche der Forschungsanstalt Agroscope verhelfen dem Biolandbau heute zu etwas mehr Ertragssicherheit und weniger Risiko. „Vision“ aus Deutschland und „Sammy“ aus Österreich heissen die Sorten, die in der Schweiz bei rund 70 Biobauern auf über 200 Hektaren gedeihen.