Familie Urs und Ladina Knecht

Brütten | ZH

„Das Anbaurisiko nimmt mir keiner weg“

Er gilt als einer der erfahrensten und erfolgreichsten Bioraps-Produzenten des Landes. Seit gut einem Dutzend Jahren arbeiten Biolandwirt Urs Knecht in Brütten ZH und die Biofarm zusammen. Besuch bei einem Ackerbauexperten, der nicht nur Rapsglanzkäfern und Bodenflöhen auf die Schliche kommt. 

 

Wer im Frühling durch die Schweiz unterwegs ist, erhält es in leuchtendem Gelb bestätigt: Raps gehört zu den wichtigsten Ölsaaten des Landes. Doch gerade im Biolandbau gilt er als sehr anspruchsvoll, denn gegen den Rapsglanzkäfer, den Erzfeind dieser Kultur, gibt es noch keine verlässliche direkte Bekämpfungsmassnahme. Ausserdem sind die elf Monate zwischen Aussaat und Ernte eine lange Zeit, während der weitere Tiere wie Erdflöhe, Stengelrüssler oder Schnecken etwa die Pflanzen schwächen können.
Eine kalte Bise weht über die Felder oberhalb von Brütten, im Bezirk Winterthur auf über 620 M.ü.M. Hinter uns grasen die prächtigen Grauvieh-Mutterkühe von Ladina Knecht, vor uns blüht der Raps ihres Mannes Urs. Für das Biofarm-Öl färben sich die Felder dieses Ackerbauexperten seit Jahren gelb. Doch gute Nerven brauche der Raps, sagt Urs Knecht und legt los: „Beim Pflügen schon fängt es an, und nach zehn Metern ackern spüre ich, ob es Raps gibt.“ 


Im Frühling friert der Käfer
Die Bedingungen sind diesmal optimal: Gutes Wetter hat im letzten Sommer auf dem Weizenfeld kaum Mähdrescherspuren hinterlassen. Die Aussaat im August konnte unter trockenen Bedingungen erfolgen. Auch der Hackdurchgang im Herbst zeigte beim zusätzlichen Striegeln, dass weder Schnecken noch Erdflöhe den jungen Pflanzen schaden konnten. Das Ausbringen der Gülle auf abgetrocknetem Boden förderte das Wachstum. Der Raps war optimal auf den Winter vorbereitet: „Mit dicken Wurzeln - zwischen eins bis eineinhalb Zentimeter Durchmesser und eingelagerten Reserven“, präzisiert der Profi. Die guten Bedingungen dauerten an, der Winter zeigte sich mild und liess den jungen Pflanzen ihr grünes Kleid. Der Kälteeinbruch mit Schnee im April sorgte zwar für viel Adrenalin beim Menschen, machte letztlich dem Rapsglanzkäfer aber mehr zu schaffen als der blühenden Kultur. Bei ihnen friere der Käfer im Frühling, sie hätten viel Wind, sagt Urs Knecht. Er weiss jedoch: Bis der Raps im Juli in die Mühle kommt, kann sich noch viel ändern.

 

Permanentes Beobachten
In den letzten Jahren lieferten die Äcker von Urs Knecht zwischen 20 bis 35 kg Rapskerne pro Are. „Auf zwei Siege kommt im Schnitt eine Niederlage mit etwas Ertrag. Damit kann man leben“, meint er gelassen. Unkraut, Krankheiten, Nährstoffe und nicht zuletzt die Wetterbedingungen in den Griff bekommen - das stellt selbst einen Experten wie Urs Knecht vor Herausforderungen. Permanentes Beobachten ist angesagt: „Bin ich zu früh dran oder zu spät - aber dran ist man immer“, scherzt er. Seit der Umstellung auf Bio freut ihn die gute Entwicklung des mit 40% Tonanteils doch recht schweren Bodens. Auf dem Biohof Eichacher gedeihen auch Konservenbohnen und -erbsen, Rotklee-Saatgut und verschiedene Getreidekulturen. Mit letzteren betreut Urs Knecht den Weizensortenversuch des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL). Mit der landwirtschaftlichen Schule Strickhof arbeitet er regelmässig für Führungen und Schulungen zusammen. Und zum landesweiten Grossereignis, dem Bio-Ackerbautag, sind nicht weniger als 1500 Besucher zu ihm gepilgert. Trotz Erfahrung und Wissen gehöre auch etwas Pokern zum Biolandbau, findet er: „Das macht die Arbeit interessant und manchmal auch nervig, denn der Preis kann noch so gut sein - das Anbaurisiko nimmt mir niemand weg.“

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick


Biohof Eichacher 

Urs (1969) und Ladina(1972) Knecht
mit Fadrii (2000) und Maurin (2002), Selina (2004) und Romana (2005)

Hofübernahme: 1999
Umstellung auf Bio: 2000 


 Landwirtschaftliche Nutzfläche: 37 ha
 Winterweizen mit Gerste, Raps (2 ha für Biofarm), Rotklee- und Reygras-Saatgut
 Konservenerbsen -bohnen
 24 Grauvieh-Mutterkühe, 3 Geissen, 3 Ponys, 8 Hühner


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