Familie Johannes und Petra Fallet
Müstair | GR

Ein besonderer Hof am Zipfel der Schweiz 

Nicht jedermann bewirtschaftet seinen Betrieb in Verbindung mit einem UNESCO-Welterbe. Am südöstlichen Zipfel der Schweiz, unmittelbar vor der Grenze zum Südtirol, liegen die Felder von Biobauer Johannes Fallet. Seine Stallungen befinden sich innerhalb der ehrwürdigen Anlage, welche die Nachwelt Karl dem Grossen zu verdanken hat. Das Kloster Sankt Johann in Müstair und seine Umgebung sind eine Reise wert.

 

Er trägt den Namen des berühmten Klosters, und wäre der ruhige, bescheidene Mann nicht darauf angesprochen, er würde es wohl kaum betonen: „Mein Vater arbeitete schon hier, und auch der Grossvater pflegte bäuerliche Beziehungen zum klösterlichen Gutsbetrieb“, erklärt Johannes Fallet. Seit 2000 sind der Meisterlandwirt und seine Frau Petra, die im Teilzeitpensum auch als Hebamme in Samedan arbeitet, die Pächter des 43 ha grossen Betriebes. 1996 war bereits auf Bio umgestellt worden. Grund war die Milch, denn ganz wie im bündnerischen Rheinwald wirtschaften auch im Münstertal alle Milchbetriebe nach den Bio-Knospe-Richtlinien. 150‘000 Liter pro Jahr liefern Johannes und Petra Fallet in die Käserei im Ort. Ihr Käse von der Alp Prasüra wird direkt ab Hof vermarktet. Er findet Absatz im Kloster sowie in den Läden des Tales.

In der Nähe der klösterlichen Gebäude, eingebettet von imposanten Dreitausendern, wachsen Roggen, Nackthafer, Weizen und Speisegerste und je nach Bedarf auch Braugerste. Wie die meisten Biobergbauern ist auch Familie Fallet der Genossenschaft Gran Alpin beigetreten. Diese hat es sich zum Ziel gemacht, den ökologischen Ackerbau in den Bündner Bergtälern zu fördern. Mit der Direktzahlungspolitik des Bundes, welche den Viehbetrieben mehr zu Gute kam, aber auch aus Angst vor der Verunkrautung seien die Getreidefelder in den Jahren nach 1996 aus dem Landschaftsbild des Tales gewichen, erzählt Johannes Fallet. Er war der erste, der Nackthafer, diese uralte Ackerkultur, wieder angebaut hat. Seit 2009 erntet er durchschnittlich 20 bis 23 kg pro Are im Jahr. „Im Frühling – am besten bei trockenem Wetter – wird fünf bis sechs Tage nach der Saat gestriegelt. Am ersten Tag von der einen Seite zur anderen, am anderen Tag umgekehrt“, erklärt er. Damit hat er die Unkrautbekämpfung gut im Griff. Den Rat hat ihm ein Biobauer aus dem Tal gegeben. Im bäuerlichen Umfeld des Val Müstair werden gute Kontakte gepflegt, man tauscht Erfahrungen aus, kauft gemeinsam Saatgut ein und teilt sich den von Pro Natura gestifteten Striegel. Der inzwischen über den Ofenpass hinaus bekannte Nackthafer von Johannes Fallet findet neben der Genossenschaft Gran Alpin und der Biofarm einen weiteren treuen Abnehmer in nächster Nähe: den Meier-Beck im Nachbarsdorf. Dieser verarbeitet den Hafer mit anderen lokalen Zutaten zu seinen mehrfach ausgezeichneten „Schaibiettas“. Sie schmecken so himmlisch, dass sie ein wenig den Verdacht wecken, auch an der Liebenswürdigkeit dieser Biobauernfamilie am Rande der Schweiz mitschuldig zu sein. Karl der Grosse hätte sie bestimmt zu schätzen gewusst – die „Schaibiettas“ und die Fallets.


Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Johannes (1964) und Petra (1974) Fallet
mit Claudio (1999) und Anna (2001)
Lehrtochter Laeticia Nicolay (1997)
Mitarbeiter Alfons Heinisch (1958)

Bio-Knospe seit 1996


Betrieb:

 43,3 ha, davon 7 ha Getreide und 7.5 ha Kunstwiese, Rest Naturwiesen. 
 35 Milchkühe (gealpt), 36 Nachzucht-Tiere, 40 Schafe, 10 Schweine
 Pacht Klosteralp Praveder: bestossen mit Mutterkühen, Pferden und Schafen


UNESCO-Welterbe Kloster Müstair:
www.muestair.ch/

IMPRESSIONEN

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