Familie Nicolas Chenuz

Juriens | VD

Der junge Biopionier und die Ölsaat     

Caméline: Weich wie Öl fliesst das Wort. Mit dieser Kulturpflanze - zu Deutsch Leindotter - ist zugleich die Geschichte einer Neuentdeckung im Biolandbau verbunden. Für die Produktionsförderung des hochwertigen Öls arbeiten der Waadtländer Nicolas Chenuz und Biofarm zusammen.

Was für ein Panorama! Über dem Leindotterfeld bei Juriens VD, umrahmt von Weizen, Mohn und Kornblumen, zeigen sich die Schneefelder der Alpenkette in ihrer ganzen Pracht. «Hier sind wir am einzigen Ort in der Schweiz, der den Blick auf den Genfer- und den Neuenburgersee gleichzeitig freigibt», sagt Nicolas Chenuz. Tatsächlich, tiefer unten, links und rechts in der Ebene, geben sich schimmernd zwei Wasserspiegel zu erkennen. Der Junglandwirt zeigt am Feldrand auf seine Pflanzung: «Caméline bietet für den Biolandbau viele Vorteile, und der leichte Boden dieser Region am Jurahang, oberhalb des Nozon-Tals, eignet sich bestens für den Anbau.»

Eng mit der Natur arbeiten
Auf der Suche nach einer Kultur, die auch ohne grössere Eingriffe in die Natur gedeiht, begann Nicolas Chenuz 2009 für seine Diplomarbeit an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen mit dem Anbau von Leindotter. Ihn interessierten Landwirtschaftssysteme, die in enger Zusammenarbeit mit der Natur stehen. Die zur Herstellung des Öls verwendeten Samen gedeihen in Mischkultur mit Eiweisserbsen oder Soja zum Beispiel. Die Pflanzen, die eine Höhe von 40 bis 120 cm erreichen, dienen den Erbsen als ideale Stütze. Ihre bodendeckenden Rosetten entwickeln sich schnell und halten dadurch Unkräuter gut in Zaum. Ein weiterer Vorteil - besonders im Biolandbau - ist ihre ausgeprägte Robustheit gegen Schädlinge und Krankheiten.

Vraiment bon!
Kein Wunder, wollte der frischgebackene Agronom aus seinem Interesse und seiner Begeisterung für diese uralte Kultur mehr machen als „nur“ eine Diplomarbeit. Nach seinem Abschluss in Zollikofen presste er die geernteten Leindottersamen zusammen mit Biolandwirt Roger Roulin im waadtländischen Ogens. Es galt, auch die qualitativen Eigenschaften des Öls für die Ernährung zu bestätigen. Die Ergebnisse sprachen für sich. Er habe mit dieser Pflanze viel Glück gehabt, findet Nicolas Chenuz, denn dieses Öl sei «vraiment bon»! Weitere Absolventen der Hochschule Zollikofen interessierten sich in der Folge für das Thema und erarbeiteten ein Verarbeitungs- und Vermarktungskonzept für das Öl. Und noch ein Jahr später übernahm der «Wiederentdecker» in enger Zusammenarbeit mit den ersten Produzenten die Verantwortung für die neugegründete Organisation «Suisse Caméline».
 
Wo sind die Deutschschweizer?
Unter Mithilfe seines Mitarbeiters Jean-Daniel Bonzon presst Nicolas Chenuz heute die Pflanzensamen in Juriens, in direkter Nachbarschaft zum gepachteten Hof. Er habe erneut Glück gehabt, sagt er, denn der Motor seiner selbstgekauften Mühle erwies sich als langsam, was ein respektvolleres Mahlen zulasse. 5’000 Liter Öl fliessen durchschnittlich pro Jahr. Noch immer zu wenig, so Nicolas Chenuz. 80% des Erntegutes stammen aus einem Umkreis von 20 km. Vor allem Landwirte aus der Romandie bauen Caméline nach den Knospe-Richtlinien von Bio Suisse an. Der Pionier aus dem Waadtland wäre froh, wenn sich vermehrt auch Deutschschweizer überzeugen lassen könnten. Die Genossenschaft Biofarm hat es sich zur Aufgabe gemacht - ausgehend von den Erfahrungen in der Romandie - dieser wertvollen Kultur zum Sprung über den Röstigraben zu verhelfen. Allez, les Suisses allemands!

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Ferme Paradela-Bonzon
Nicolas (1983) und Magali (1983) Chenuz mit Lola und Julie

Umstellung auf Bio-Knospe: 2015
 

Landwirtschaftliche Nutzfläche 48 ha

Ackerkulturen: Leindotter/Ackerbohnen, Weizen,
Raps, Einkorn, Erbsen, Mais, Randen, Esparsette

 

20 Aufzuchtrinder für Bio-Weide-Beef

 
Eigene Ölmühle
 

 

www.suisse-cameline.ch

IMPRESSIONEN

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