Familie Stefan und Lorena Brunner

Spins | BE

Ein Conquistador kommt selten allein 

Da wage noch jemand die Behauptung, die Berner seien langsam! In Spins bei Aarberg jedenfalls sorgen zwei neue «Einheimische» für Schwung: Quinoa und Amarant. Biolandwirt Stefan Brunner hat sich diese Körnchen aus Südamerika vorgeknöpft. Als einer der ersten baut er sie an für Biofarm.

Seit Tagen fegt die Bise übers Seeland. Rund um den Eichhof verharren die Temperaturen längst im Minus. In der grossen Scheune sortieren Mitarbeitende Wintergemüse, Zwiebeln und Schalotten in Kistchen. Der Hofhund schläft eingerollt im Heu. Stefan Brunner holt einen Sack aus dem Lager und lässt die Quinoa-Körnchen durch die Finger rieseln. «Ein an alternativer Ernährung interessierter Praktikant hatte mich aufmerksam gemacht auf dieses Grundnahrungsmittel. Ich habe es ‘nachgegoogelt’ und mir gesagt, dass das hier wachsen könnte.»

Gesagt, getan. Der Spinser nahm mit Biofarm Kontakt auf. Die Genossenschaft in Kleindietwil ist Abnehmerin seiner Weizen-, Dinkel- und Leinsamenproduktion. «Seit unserer Betriebsumstellung auf Bio im 2010 arbeiten wir zusammen – stets auf Augenhöhe, Profit ist nicht das einzig Wichtige», sagt er. Das Projekt «Schweizer Quinoa» blieb nicht in der Schublade stecken. Über ein von Biofarm initiiertes Förderprogramm erhielt Stefan Brunner von Bio Suisse Saatgut für einen ersten Versuch auf 10 Aren. Das war im 2015 und ein Novum.

 

Ein Risiko bleibt immer
Eine erfolgreiche Ernte ist unter anderem abhängig von der Sorte. Stefan Brunner hat mehrere Sortenversuche durchgeführt. Eine frühe Aussaat sei wichtig, betont er, denn Quinoa keime schnell und wachse davon wie Unkraut. Je nach Sorte und Wetterbedingungen kann in Spins das «Korn der Inkas» im August oder im Oktober geerntet werden. Doch nach einem ersten guten Jahr mit rund hundert Kilo Ertrag wurde das nasse und kalte 2016 auch dieser robusten Kultur zu extrem. Die Ernte im Seeland fiel aus. «Vom Totalausfall bis zu einer Superernte, wie wir sie 2017 hatten, bleibt das Resultat bis zum Schluss offen. Aber bereits im Mai/Juni zeichnet sich ab, ob die Ernte top oder flop wird», berichtet der Betriebsleiter. Und nach der Ernte ist die Arbeit noch nicht zu Ende. Die Bitterstoffe müssen aus den Quinoa-Körnchen herausgewaschen werden, sonst sind sie ungeniessbar. Diese Reinigung ist sehr aufwändig, da die Samen winzig sind. Dass die mit dem Erntegut vermischten Knöterich- oder Kleesamen gleich gross und gleich schwer sind, macht die Sortierung extrem heikel.
 

Alte Kulturen in neuem Umfeld
Für den Junglandwirt ist der Anbau des Fuchsschwanzgewächses Amarant anspruchsloser. Von dieser uralten Nutzpflanze, die den Inkas, Azteken und Mayas als heilig galt, hat er ebenfalls verschiedene Sorten ausprobiert: «Auch Amarant mit seinen im Vergleich zu Quinoa noch feineren Sämchen läuft schnell auf. Die frühe Sorte kann ich im April in die Erde bringen und im August/September ernten.» Getrocknet wird direkt vor Ort in der eigenen Anlage.

Sowohl der Anbau von Quinoa als auch der von Amarant bieten Vorteile für den Seeländer Betrieb: «Die Anbaupausen lassen sich mit Wintergemüse wie Spinat gut überbrücken. Beide Kulturen brauchen zum Gedeihen viel Stickstoff und bereichern die Fruchtfolge», so Stefan Brunner. Sagt’s und chattet derweil aus seinem Büro mit Frau Lorena in der Küche. Rasch, via Facebook die Anfrage eines Kochs aus Bern beantworten, einen Blick in den Online-Hofladen werfen, kurz einen Anruf entgegennehmen, der Schwester für ein dringendes Versicherungsthema einer Saisonarbeiterin ein Ohr schenken... Multitasking-Kompetenz scheint dem vierfachen Familienvater in die Wiege gelegt. Längst hat er sich als genialer Erfinder des «Jät-Ferrari», bei Schweizer Spitzenköchen und Gastronomen mit den Sortenvarianten seiner Gemüsespezialitäten (über hundert Kulturen!) oder durch den innovativen Ansatz einer Web-App für die Direktvermarktung eine Fangemeinde eingeheimst. Den Hof führt der Spinser in sechster Generation. Seine Altvorderen würden den Betrieb kaum wiedererkennen. Innert weniger Jahre hat dieser umtriebige Bauer der Moderne ganze Kulturen verändert. Und beileibe nicht nur die vom Acker.

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

Biohof Eichhof

Stefan (1985) und Lorena (1986) Brunner mit Ismael, Michael, Elias und Elena

Hofübernahme: 2010
Umstellung auf Bio: 2010

Landwirtschaftliche Nutzfläche 18 ha 

Ackerkulturen: Amarant, Quinoa, Emmer,
Dinkel, Einkorn; Kunstwiese

 

Gemüse: Rüebli, Knoblauch, Buschbohnen,
Spinat, Oca; Wurzelgemüse, Kürbisse, Randen,
Zwiebeln, Gurken, Tomaten, Kohl usw.

 

Diverse Beerensorten

 

Tiere: 10 Hühner, zwei Pferde, Hund,
Meersäuli, Küngel und Katzen


Hofladen  

www.brunnereichhof.ch

IMPRESSIONEN

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