Familie Günther und Anita Bosshart

Winden | TG 

Erfahrungswerte und ein gut geübtes Auge 

Vom Schlosser zum Bodenseefischer und Biobauer: Die Berufswege des Thurgauer Obstproduzenten Günther Bosshart führen sowohl über Land als auch über Wasser. Mit Tiefgang und Leidenschaft berichtet er ebenso von Topaz, Jonagold oder Idared wie von Felchen, Barsch oder Saibling. An Biofarm liefern er und seine Frau Anita ihr ganzes Obst, und das schon seit vielen Jahren.


„Was unsere Wasserwelt schädigt, das sind die Pestizide und die Herbizide der Landwirtschaft!“ Sagt dies nun der eidgenössisch anerkannte Fischwirt und Bodenseefischer, oder sagt dies der Biobauer? Wohl beide, denn Günther Bosshart hat mehrere Herzen in seiner Brust. Und die schlagen im Einklang mit der Natur.

Als er mit seiner Frau Anita im Jahr 1991 den Hof der Eltern übernahm, hatte sein Vater das Pensionsalter erreicht. Bio und die Zusammenarbeit mit Biofarm seien damals ein nahtloser Übergang für ihn gewesen, erinnert er sich. Denn bereits zwanzig Jahre zuvor schon hatten seine Eltern auf Biolandbau umgestellt. „Sie hatten fast doppelt so viel Land, es gehörte noch Vieh zum Hof, und sie konnten ihre Hochstammäpfel als Tafelobst besser verkaufen, mussten nicht nur schütteln und vermosten“, sagt der jetzige Betriebsleiter. Über die damalige Abnehmerin Bio-Gemüse-AVG waren die Eltern Bosshart schliesslich zur Biofarm gekommen. Man hat sich auch in der zweiten Generation die Treue gehalten: „Weil Biofarm die kleinen Produzenten und die Nischenmärkte unterstützt, weil mich ihre Fachspezialisten gut beraten, und weil sie mir Gewähr bieten, dass sie sich für meine Produktion einsetzen“, zieht der Obstbauer Bilanz. Auch er hat seine eigenen Erfahrungen machen und vieles ausprobieren wollen. Er hat Bäume gesetzt und dann wieder entfernt, weil es nicht gut lief. Ein „Rosana“ oder ein „James Grieve“ beispielsweise seien einfach am Baum verfault. Mit dem „Topaz“ hingegen ist Familie Bosshart sehr zufrieden. Er gehört zu den schorfresistenten, robusten Sorten und ist mit seiner schönen Schale und dem ausgereiften Geschmack der eindeutige Star unter den Äpfeln vom Bosshart-Hof. Ein Baum dürfe nur so viele Äpfel tragen wie er auch verkraften könne, erklärt der Obstbauer.

Für das sogenannte „Auspflücken“ nach dem Junifall, wenn die Bäume ihre Äpfel fallen lassen fast wie das Laub im Herbst, brauche es gerade beim „Topaz“ viel Scherenarbeit. Und Günther Bosshart berichtet über Knospenbildung, die abhängig ist von vielen Faktoren, wie Wetter, Umwelt, Boden, Düngung. Alles muss stimmen. Dafür sorgt er mit seinen über die Jahre erworbenen Fachkenntnissen, mit Mist und mit Gülle, mit natürlichen Hilfsstoffen, wie Federmehl, Hanf- oder Knoblauchextrakt etwa. Weiterbildung, Erfahrungswerte und ein geübtes Auge haben seinen Beobachtungssinn geschärft. Dass er diesen auch im Nebenberuf als einer der wenigen Bodenseefischer einzusetzen weiss, wenn er Kurs auf den See nimmt und seine Netze auswirft, steht auf einem anderen Blatt… Tochter Karin kommt mit der kleinen Livia auf Besuch. Anita Bosshart macht schnell fürs Enkelkind ein Apfelstücklein bereit und streckt es ihm hin. „Das ist einfach ein gutes Grundnahrungsmittel, stärkend und vitaminreich“, sagt sie. Die jung gebliebene Grossmutter weiss, wovon sie redet.

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Günther (1954) und Anita (1957) Bosshart
mit Remo (1978) und Karin (1982) mit Livia (2014)


Hofübernahme: 1991
Umstellung auf Bio: 1971

Landwirtschaftliche Nutzfläche 4.7 ha 
Tafelobst für die Biofarm: 2.5 ha
Jonagold  
Jonathan  
Meran  
Golden  
Topaz  
Idared  

   

IMPRESSIONEN

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