Familien Binggeli und Henauer

Lüscherz und Ferenbalm | BE

«Kirschi» mit Geschichte und mit Seeblick 

Am Bielerseeufer stehen die Hochstamm-Kirschbäume in voller Blüte. Seit vielen Jahren liefern die Biobauernfamilien Binggeli und Henauer ihre süssen Früchtchen an Biofarm. Die Genossenschaft weiss: Mit diesen beiden Experten für anspruchsvolles Biosteinobst ist gut Kirschen essen.

Kein Zweifel: Hier müssen Kirschen mindestens so wunderbar gedeihen, wie sich die Landschaft zeigt. Das Klima am Bielersee ist gut für sie. Besonders auch in Lüscherz, dem einzigen Dorf mit Seeanstoss am südlichen Ufer. Die Familien Binggeli und Henauer sind Nachbarn und so auch ihre Hochstamm-Kirschbäume. Sie alle kommen in den Genuss eines überaus reizvollen Panoramas: Hinab und weit über den See - hinüber und hoch hinauf, dem Jurakamm entlang, reicht der Blick. «Unser tiefgründiger, mittelschwerer Boden und der gute Wasserhaushalt sind für dieses Obst sehr geeignet», sagt Markus Henauer. Der Agronom und nebenamtliche Landwirtschaftslehrer bewirtschaftet mit seiner Frau Vreni einen kleineren Obstbetrieb in Lüscherz sowie den Jerisberghof im nahegelegenen Ferenbalm. Als ETH-Student hatte er sein Praktikum bei Familie Binggeli in Lüscherz absolviert. Nach dem Studium kam er zurück. Im Ort konnte er 1989 einen Pachtbetrieb übernehmen. Susi Binggeli erklärt diesen Sachverhalt auf ihre sympathische Weise: «Wer Wasser an unserem Brunnen trinkt, der bleibt hier.»
 

Viel Lehrgeld gezahlt
Für Susi und Ruedi Binggeli ist das Brunnenwasser weder in guten noch in schlechteren Zeiten versiegt. Sie führen den Hof an der Hauptstrasse bereits in zweiter Generation biologisch. Ruedis Eltern, Walter und Greti Binggeli, zählten zu den Pionieren, die sich in den 50er Jahren um die «Urgesteine» des Schweizer Biolandbaus, Dr. Hans Müller und seine Frau Maria, gruppiert hatten. Der Sohn erinnert sich: «Auch wenn es aus ökologischer Sicht Sinn machte, mussten wir bei der Hofübernahme doch sehr gut überlegen und nachrechnen, ob wir bei Bio bleiben wollten. Unkraut, Krankheiten und Kulturführung ohne Einsatz von Chemie sind höchst anspruchsvoll. Die ganzen Jahre war und blieb die Arbeitsbelastung mit viel Handarbeit für uns riesig und das Verlustrisiko gross. Wir haben viel Lehrgeld gezahlt.» Heute wollen er und seine Frau den gemischten Familienbetrieb mit Kühen, Jungvieh, Getreide, Mais, Kartoffeln und Obst im Hinblick auf ihre Pensionierung langsam reduzieren.
 

Beobachten, vorbeugen, pflegen, schützen
Magda, Beta, Kordia, Regina und Christiana sowie die Seeländer Rieskirsche, die Schauenburger, die Bündner Herzkirsche, Star oder Hedelfinger sind und bleiben aber ein Thema, sowohl für die Binggelis wie für die Henauers. Für beide Betriebe übernimmt Markus Henauer jeweils den Transport der erntefrischen Hochstammkirschen zum Biofarm-Tiefkühl-Früchtepool. Sie eignen sich bestens zum Konservieren. «Abgelesen wird alles, was schön ist», sagt er. Doch wann ist der ideale Zeitpunkt? «Wenn die Kirschen von Rot auf Dunkelrot umfärben, können wir anfangen, denn überreife Früchte stecken sehr schnell die anderen an und beginnen zu faulen», erklären unisono die Experten. Bis es soweit ist, dass die Seeländer an einem guten Tag ihre Leitern aufstellen und den Bäumen mehrere hundert Kilo «Kirschi» abgewinnen können, ist viel Sorge, Pflege und Aufmerksamkeit angesagt. Zu Vegetationsbeginn sorgt Hofdünger für Nährstoffzufuhr. Bei der Austriebsspritzung im Frühjahr kommen pflanzliche Öle zur Bekämpfung von Schildlaus und Frostspanner zum Einsatz. Um Schrotschuss und die Fruchtfäule Monilia einzudämmen, helfen etwas Kupfer und Schwefel. Mit Biofarm und dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau FiBL testen die Familien neue, mineralische Abwehrmittel. Der Kirschenfliege rücken Leimfallen zu Leibe, und die nicht minder gefürchtete Kirschessigfliege locken Rotwein und Essig in die Becherfallen. Biokirschen sind eben heiss geliebt - nicht nur vom Menschen. Ein Grund mehr, nach Lüscherz zurückzukehren. Auch für solche, die am Brunnen beim Hof mit den rot-schwarzen Fensterläden (noch) nicht getrunken haben.

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 
Biohof, Hauptstrasse Lüscherz:

Ruedi (1952) und Susi (1953) Binggeli-Kohler mit Annemarie und Esther

Biobetrieb seit 1956
Landwirtschaftliche Nutzfläche: 21 ha

Jerisberghof, Ferenbalm / Obstbetrieb, Lüscherz:

Markus (1961) und Vreni (1962) Henauer-Herrli mit Flurina, Samuel und Matthi

Biobetrieb seit 1990
Landwirtschaftliche Nutzfläche: 25 ha

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