Familie Beat und Rosmarie Sauter-Blaser

Altnau | TG

Perlen vom Bodensee

Ein Traum, diese Sicht über den schimmernden See! Hier, auf dem «Eselhof» in Altnau TG, hängen die Nussbäume voll für Biofarm. Beat und Rosmarie Sauter haben die ersten Früchte aufgelesen. Die Spätsommersonne hilft ihnen beim Trocknen tüchtig mit.

Er muss schon viele Klimaveränderungen überstanden haben, gehört er doch zu den ältesten, dem Menschen bekannten Bäumen. Seinen Wert wusste auch Karl der Grosse zu schätzen. Durch einen Erlass sorgte er um das Jahr 800 dafür, dass in jedem Garten seines Reiches ein Nussbaum stand… Vor dem grossen Stall von Familie Sauter wirkt der alte Nussbaum umso imposanter, als sich auf dem Feld gegenüber die ordentlich aufgereihten «Jungen» in der Nussbaumkultur nur so recken und strecken. «Sie tragen nach zehn Jahren zum ersten Mal richtig, und das in einem aussergewöhnlichen Nussjahr», sagt Biolandwirt Beat Sauter. Schon sein Grossvater, der im Dorfkern von Altnau einen Bauernhof führte, habe Freude an Nüssen gehabt. Der Enkel hatte immer gerne mitgeholfen. Er kehrte 1992 nach intensiven Lehr- und Wanderjahren auf der Alp und unterschiedlichen Höfen zurück ins Dorf. Für ihn, seine Frau Rosmarie und die vier Kinder war damals der grosselterliche Betrieb von der Pacht frei geworden. Der heutige Betriebsleiter betont: «Wir haben am ersten Tag auf Bio umgestellt. Viele Bauern hier zeigten gegenüber dem Boden unter anderem mit schweren Landmaschinen wenig Wertschätzung. Schon in den 80er Jahren gabs keine Greifvögel mehr, und mit der Natur gings abwärts.»
 

«Wir wollten wieder Hochstammbäume»
So arbeiteten die Sauters auch gleich vom ersten Jahr an für verschiedene Produkte mit der Genossenschaft Biofarm zusammen. Der Landwirt erklärt: «Sie lassen uns kleine Produzenten nicht fallen, wir werden ernst genommen und kompetent beraten.» Neben der Milchwirtschaft und dem Ackerbau hatte Beat Sauter vom Grossvater auch den traditionellen Obstbau übernommen. Als jedoch im Thurgau nach und nach prächtige Hochstamm-Obstbaumanlagen dem Feuerbrand zum Opfer fielen und aus dem Landschaftsbild verschwanden, setzte er auf Nüsse. Es war eine Pioniertat. «Wir zahlten unser Lehrgeld, denn es war damals schwierig zu wissen, welche Sorten sich eigneten», erinnert sich Rosmarie Sauter, «aber wir wollten wieder Hochstammbäume.»

2016 zog die Familie in ihr neues Bauernhaus auf die Anhöhe über Altnau - näher zum Weideland für die Kühe und zu den Kulturen. «Das Dorf war sehr gewachsen, unsere Arbeitswege waren immer länger und dichter zugebaut», so Beat Sauter. Er hält fest: «Durch den Neubau möchten wir Haus, Stall und Land als Einheit für die Zukunft unseres Hofes erhalten.» Das alte Bauernhaus im Dorf, auch es mit einem stattlichen Nussbaum, steht weiterhin. Dort bleibt auch der von Rosmarie Sauter lange Jahre mit viel Herzblut betriebene Hofladen geöffnet. Um ihn in der Nähe der Kundschaft zu belassen, konnte ihn die Bäuerin in gute Hände übergeben.

 

Harte Schale, wertvoller Kern
Im milden, ausgeglichenen Klima am See - ohne Spät- und mit wenig Frühfrost, sowie in den tiefgründigen, schweren Böden fühlen sich die Altnauer Nussbäume wohl. Wo es ihnen gefalle, wachsen sie schnell, erklärt Beat Sauter. Auf dem «Eselhof» gedeihen insbesondere die Sorten Lara, Franquette, Buccaneer und Broadview. Der Biolandwirt schneidet seine Schützlinge «moderat». In den ersten Jahren nach der Ernte gibt er ihnen etwas Mist. Baumnüsse sind reif, wenn die äussere, grüne Schale aufspringt. Hier im Thurgau ist es im September/Oktober soweit: Sie werden eingesammelt, sofort gereinigt und getrocknet. Beat Sauter geht in die Hocke, fährt mit der Hand über die einlagig am Boden ausgebreiteten Nüsse und sagt: «Öffnet man sie ganz, kommt etwas so Sauberes und so Schönes heraus, wie es vorher niemand gesehen hat. Es ist wie eine Perle in einer Muschel.» Seinem Vergleich hätte bestimmt auch der Grossvater zugestimmt.

Autorin: Sabine Lubow

 

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Biohof «Zum Esel»

Beat (1958) und Rosmarie (1959) Sauter-Blaser mit Nora, David, Myriam und Julian

Hofübernahme: 1992
Umstellung auf Bio-Knospe: 1992


Landwirtschaftliche Nutzfläche 23 ha

Ackerkulturen mit Weizen, Erbsen, Mais,
Chicorée-Wurzeln


Kunstwiesen und Ökoflächen


61 Nussbäume; 400 Hoch- und Halbstammobstbäume
mit Äpfeln, Birnen, Zwetschgen


Tiere: 28 Holstein-Milchkühe, 6 Pferde, 1 Esel,
1 Maultier, 1 Pony, 6 Hühner mit Hahn,
Hund und Katzen


Hofladen im Dorf Altnau

 

IMPRESSIONEN

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