Isidor Ackermann

Farnern | BE

Pflanzen, ans Herz gewachsen

Unverkennbar sind seine Blätter, und er ist einer der bemerkenswertesten Nährstofflieferanten, die uns die Natur zu bieten hat. Speisehanf kehrt vermehrt auf hiesige Äcker zurück. Biobauer Isidor Ackermann ist mit der uralten Kulturpflanze vertraut. Sie wächst auf seinen Feldern für Biofarm.

Jede Woche backt Isidor Ackermann ein feines, gut haltbares Hanfbrot. Nicht nur seine Buben Maurus und Flurin lieben es - besonders mit Butter und Honig -, morgens, oder wenn sie nach der Schule heimkommen. Ihr Zuhause ist der «Sunnahof» in Farnern, am Südfuss des Juras. Hier, im nördlichsten Zipfel des Oberaargaus, auf 800 Meter über Meer, lädt der Ausblick echt zum Träumen ein. Doch dazu hat der junge Biolandwirt und alleinerziehende Vater kaum Zeit. Auf seinem 24-Hektaren-Betrieb mit 17 Mutterkühen verschiedener Rassen baut er neben Speisehanf auch Weizen und Dinkel an. Und er pflegt hundert Hochstammbäume mit Äpfeln, Birnen, Zwetschgen, Kirschen, Mirabellen und Quitten. Acht Jahre alt war er, als sein Vater 1996 auf Bio umstellte. Fast ebenso lang gehört der Anbau von Hanf dazu. Leicht erkennbar an ihren langen Stängeln mit dem filigranen Blattwerk, recken sich die Pflanzen in den Sommerhimmel.
 

«Der lacht immer so…»
Isidor Ackermann greift am Feldrand nach einem Exemplar: «Hanf wächst hundertmal schneller als ein Baum, und das hier sind alles weibliche Pflanzen - nur sie bilden Samen.» Der Wind schubst ihren unverkennbaren Duft in die Nase. Als könne er Gedanken lesen, erzählt der Landwirt: «Eine Frau aus dem Dorf fragte mal bei meinem Nachbarn nach: ‘Kifft der Isidor nicht etwas viel, der lacht immer so’…» Er könne sich das nicht erlauben mit den Kindern und der Verantwortung für den Hof, schiebt er nach und schmunzelt bis über beide Ohren. Das Saatgut, das der Biobauer für seine Hanfkulturen verwendet, ist nach Bio Suisse Vorschriften zertifiziert und kontrolliert. In der Schweiz ist für den Anbau von Lebensmittelhanf ein THC-Gehalt unter 1 % erlaubt.
 

100 Tage Reifezeit
Isidor Ackermann ist mit Speisehanf aufgewachsen. Dass ihm diese Pflanze ans Herz gewachsen ist, sticht beim Feldbesuch sofort ins Auge. Auf 70 Aaren baut er die anspruchslose und robuste Kultur an für Biofarm; zweieinhalb weitere Hektaren Hanf sind für eine regionale Bierbrauerei und für die Teeproduktion bestimmt. In Breitsaat, verteilt über die ganze Ackerfläche, bringt er das Saatgut ein erstes Mal im Mai und ein zweites Mal im Juni auf seinen relativ schweren Juraböden aus. 100 Tage Reifezeit braucht es jeweils und drei trockene Tage hintereinander vor der Ernte. Die hochwachsende Kultur verlangt eine präzise Einstellung des Mähdreschers. Allzu leicht verstopft sonst die Maschine. Schwierig sei nur das «Gejät», sagt er, «und auch die Menschen sind es mit ihrem Unwissen und ihren Vorurteilen dieser Pflanze gegenüber.» Aber schon strahlt er wieder über das ganze Gesicht.

 

Erstaunliche Vielseitigkeit
Nach der Ausbildung zum Landwirt in Zollikofen sammelte Isidor Ackermann Erfahrungen auf verschiedenen Betrieben im Welschland und im Aargau. «Du weisst, wie es daheim aussieht, schau dir das Andere an», habe sein Vater ihm damals mit auf den Weg gegeben. Dass er auf einem Biohof aufgewachsen sei, habe ihn geprägt, hält er fest. So lernte er auch die Biofarm kennen, denn sein Vater lieferte jahrelang das Getreide an die Genossenschaft.

Bei einer Tasse Hanftee ist Isidor Ackermann voll des Lobes über die Vielseitigkeit der Pflanze: Papier, Kleider, Seile, Isoliermaterial, Arzneimittel, Kosmetik und vieles mehr lasse sich daraus herstellen, und was bei ihm nach dem Dreschen übrigbleibe, das komme als Dünger wieder in den Boden. Etwas Sorgen bereitet ihm die Dampfwalze des zunehmenden Preisdruckes, und er hofft auf weiterhin faire Produzentenpreise. «Papiii…», ruft es von der Haustüre her. Maurus und Flurin kommen aus der Schule, klettern an Isidor Ackermann hoch. Sie wollen von ihren Erlebnissen berichten und, bei Zvieribrot und Honig, ihren strahlenden Papi jetzt ganz für sich.

 

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

 

Biohof «Sunnahof»

Isidor Ackermann (1988) mit
Maurus (2011) und Flurin (2013)

Umstellung auf Bio-Knospe: 1996
Betriebsübernahme vom Vater: 2011

 

Landwirtschaftliche Nutzfläche 24 ha

 Ackerbau: Hanf, Weizen, Dinkel

 
Kunst- und Naturwiesen  
Obst: 100 Hochstamm-Obstbäume:
Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Kirschen,
Mirabellen, Quitten
 
Tiere: 17 Mutterkühe (8 verschiedene Rassen),
Hühner, Katzen
 

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