Familie Stefan und Lorena Brunner

Spins | BE

Kleines «Körnli-pick-up» jetzt ganz gross

Multitasking kann er ebenso wie Neues wagen. Auf dem Traktor, dem selbst entwickelten Jät-Ferrari, im Feld oder Büro: online oder offline ist Stefan Brunner auch für Biofarm auf Achse. Dieser Landwirt organisiert, tüftelt, chattet, macht möglich – so schnell wie überm Seeland der Wind.

Vielseitig und innovativ: In sechster Generation haben Stefan Brunner und seine Frau Lorena den Eichhof in Spins bei Aarberg BE zu einem Biobetrieb der Hochmoderne gemacht. Hier werden alte und neuere Getreidekulturen neben zig Sortenvarianten von Gemüsespezialitäten angebaut. Altbewährtes Einheimisches gedeiht neben Versuchen mit wertvollen Kulturen aus der Fremde. Und alles wird selbst geerntet und aufbereitet. Der Biobetrieb der Brunners hat sich in wenigen Jahren zu einer Plattform für (Bio)Diversität entwickelt – auch im Menschlichen. Neben den Festangestellten finden auch Saisoniers, Praktikanten, Stunden- und Tagelöhner Beschäftigung und das ganze Jahr über auch Menschen, die soziale Betreuung in Anspruch nehmen.
  

Die Sache mit dem Saponin
Seit 2010 ist Biofarm Abnehmerin der Leinsamen-, Weizen-, Dinkel-, Quinoa- und Amarant-Produktion vom Eichhof. «Seit unserer Betriebsumstellung auf Bio arbeiten wir zusammen – stets auf Augenhöhe, denn Profit ist nicht das einzig Wichtige», betont Betriebsleiter Stefan Brunner. Seit dem von Biofarm initiierten Förderprogramm «Schweizer Quinoa» hat sich noch eine weitere Form der Zusammenarbeit zwischen dem dynamischen Landwirt und der Genossenschaft aus Kleindietwil BE entwickelt. «Nicht nur im Anbau, auch in der Aufbereitung des Andenkorns leistet er Pionierarbeit», sagt Hansueli Brassel. Der Biofarm Fachmann für Getreide und Ackerbaukulturen erklärt: «Herkömmliche Sorten verfügen über einen bitter schmeckenden Mantel aus Saponin, der nach der Ernte aufwändig abgeschliffen oder abgebürstet werden muss, damit Quinoa überhaupt geniessbar ist. Zwar gibt es auch Sorten, bei denen der Bitterstoff weggezüchtet wurde, doch in der Schweiz sind im Anbau erst wenig züchterisch bearbeitete Sorten verfügbar.» Nur schon das Trocknen und Sortieren der winzigen Körnchen ist nicht ganz ohne. Auf dem Acker unterdrückt diese nährstoffreiche Kultur aus Südamerika das Unkraut schlecht. Die mit ihrem Erntegut vermischten Knöterich- oder Kleesamen sind gleich gross und gleich schwer. «Das macht die Sortierung extrem schwierig und grössere Sammelstellen, die solche Arbeit übernehmen könnten, sind in der Schweiz kaum dafür ausgerüstet», so Hansueli Brassel.

 

Selbst ist der Bauer
Einen wie Stefan Brunner kann das nicht erschrecken. Aus eigener Notwendigkeit sei bei ihm im Seeland eine kleine Körner-Annahmestelle entstanden. Sie ist bei Biofarm und Direktvermarktern auf Interesse gestossen. Auf dem Betrieb des Spinser Kollegen gelingt es heute nicht nur, das wertvolle Korn der Inkas zu trocknen, sondern auch Linsen, Soja, Sonnenblumen, Hanf, Weizen und anderes mehr. Je nach Kultur kommt auf dem Eichhof die Rohware in die Vor- oder Endreinigung. «Die Landwirte bringen ihre Fracht meistens im Kipper oder in Big-Bags zu mir und können später genau ihr eigenes Erntegut wieder zurücknehmen», sagt Stefan Brunner. Seine Annahmestelle hat sich inzwischen auch für ihre hohe Flexibilität einen Namen gemacht. Weil solche Nischenkulturen nach dem Dreschen unverzüglich getrocknet werden müssen, können Biobäuerinnen und -bauern ihre Ware auf dem Eichhof jederzeit anliefern. Stefan Brunner und seinem Team verlangt dies grosse Einsatzbereitschaft mit vielen Abend- und Nachtstunden ab. Einen Mitarbeiter hat der Betriebsleiter extra ausgebildet: «Gschpüri, Zuverlässigkeit und Genauigkeit sind besonders wichtig, damit es kein Durcheinander unter all den verschiedenen Posten gibt», hält er fest. Mit solch unternehmerischem Pioniergeist lässt der Spinser nicht nur viele lange Transporte vermeiden, er bereichert auch so manchen Schweizer Biohof und uns um einiges an Vielfalt auf Feldern und Tellern.

Autorin: Sabine Lubow

Menschen, Tiere und Hof auf einen Blick

Biohof Eichhof

Stefan (1985) und Lorena (1986) Brunner mit Ismael, Michael, Elias und Elena

Hofübernahme: 2010
Umstellung auf Bio: 2010

Landwirtschaftliche Nutzfläche 18 ha 

Ackerkulturen: Amarant, Quinoa, Emmer,
Dinkel, Einkorn; Kunstwiese

 

Gemüse: Rüebli, Knoblauch, Buschbohnen,
Spinat, Oca; Wurzelgemüse, Kürbisse, Randen,
Zwiebeln, Gurken, Tomaten, Kohl usw.

 

Diverse Beerensorten

 

Tiere: 10 Hühner, zwei Pferde, Hund,
Meersäuli, Küngel und Katzen


Hofladen  

www.brunnereichhof.ch
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IMPRESSIONEN

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